Predigten

Heidrun Moser

Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

Sonntag, 20 Februar 2011 00:00

Predigt am 20.02.2011 zu Lukas 17, 7-10

Gnade sei mit Euch und friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn Jesus Christus.

AMEN

Text: Lukas 17,7-10

Liebe Gemeinde,

gefällt Euch diese Geschichte, die Jesus da erzählt? Auf den ersten Blick ist sie eigentlich nur ärgerlich, es sei denn, Du bist in der Position des Herrn. Der ist natürlich fein raus! Der kann zu seinem Sklaven sagen, wenn er todmüde vom Feld heimkommt, so, jetzt richte mir noch mein Vesper her. Danach kriegst Du auch etwas zu essen und zu trinken.

Jesus weiß, dass er mit einem einvernehmlichen Kopfnicken seiner Zuhörer damals rechnen konnte. Sowohl die Herren, als auch die Sklaven wussten: Ja, so ticken wir alle, so ist unser Alltag, unsere Welt. Und auch das entspricht unserem Alltag, dass kein Herr je auf die Idee käme, seinem Knecht für die erbrachte Dienstleistung zu danken, denn schließlich hat der Knecht ja nur seine Pflicht getan.

Führungskultur wäre das heute nicht gerade. Es gehört zum guten Stil eines Chefs, dass er seinen Leuten danke sagt, auch wenn sie nur ihre Pflicht getan haben. Und ich erinnere mich noch gut, wie schmerzhaft es war, als mir vor Jahren in einem Gremium gesagt wurde: Dass wir dich ärgern, ist ja nicht so schlimm, du wirst ja für deine Arbeit hier bezahlt. Trotzdem bin ich bis heute der Meinung, dass das kein guter menschlicher Umgang war, der die Beziehungen untereinander aufgebaut hätte.

Nun glaube ich nicht, dass Jesus uns hier eine Lektion in Personalführung erteilen wollte. Ein Gleichnis ist immer eine Geschichte, die davon erzählt, wie es zugeht, wenn Gott im Leben der Menschen mit im Spiel ist. Manchmal erzählt Jesus in den Gleichnissen auch von seiner eigenen Aufgabe auf Erden an den Menschen, wie in seiner Geschichte von dem einen verlorenen Schaf, für das der gute Hirte 99 andere allein lässt, um das eine zu suchen. Manchmal regt er uns an, unser Handeln an Gottes Handeln auszurichten, wie in der Geschichte vom barmherzigen Samariter, der einen Verletzten von der Straße aufliest und in eine Herberge bringt. Hier in unserem Gleichnis vom Knechtslohn, wie es in der Bibel betitelt ist, erzählt Jesus davon, wie es zugeht, wenn Menschen ihr Leben im Glauben an Gott leben. In diesem Gleichnis geht es um unsere Gottesbeziehung, um unseren Glauben. Das ist ganz spannend, wenn wir nun ein wenig schauen, was Lukas kurz vor diesem Gleichnis erzählt.

Jesus gibt seinen Jüngern nämlich kurz zuvor die Weisung: „Wenn dein Bruder siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt.“ Es reut mich! , so sollst du ihm vergeben.“ Die Jünger fühlten sich von diesem Ansinnen Jesu schlicht überfordert und baten in ihrer Not: Herr, stärke uns den Glauben! Das kann doch kein Mensch aus eigener Kraft! Das ist ja völlig verrückt und ganz und gar unmöglich. Daraufhin sagte Jesus: Wenn euer Glaube nur so klein wie ein Senfkorn ist, könnt ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und verpflanze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Jesus stellt ganz klar: Wenn es um den Glauben geht, dann gibt es kein mehr oder weniger. Man misst den Glauben nicht mit dem Meterstab oder mit dem Messbecher. Es gibt hier kein mehr oder weniger, nur ein Entweder – Oder. Dennoch hat nicht jeder Christ dasselbe Maß des Glaubens zugeteilt bekommen, davon ist zum Beispiel der Apostel Paulus überzeugt, der uns schreibt: Keiner soll höher von sich denken, als es sich gebührt, sondern jeder soll maßvoll von sich denken, so wie Gott jedem das Maß des Glaubens zugeteilt hat. (Römer 12,3) Paulus meint mit dem Maß des Glaubens die verschiedenen Gaben, die Gottes Geist einem jeden Christen verleiht. Nicht jeder hat dieselben Fähigkeiten. Nicht jeder von uns kann dasselbe in der Gemeinde tun. Einer kann gut trösten. Der andere kann gut fröhlich machen. Einer ist musikalisch begabt und erfreut viele damit. Ein anderer kann Gottes Wort gut lehren und predigen.

Aber trotzdem: Glaube ist Glaube bei denen, die viele Begabungen haben und bei denen, die vielleicht nur eine haben. Es gibt nur ein ENTWEDER – ODER im Glauben. In der Schriftlesung haben wir heute gehört, dass Menschen verschieden lange in ihrem Leben Gott dienen. Die einen sind schon als Kinder dabei, die andern kommen in der Lebensmitte erst zum Glauben oder kurz vor dem Lebensende, so wie die Arbeiter im Weinberg über einen ganzen Tag verteilt zu den unterschiedlichsten Zeiten mit der Arbeit für den Herrn begonnen haben. Aber alle erhalten am Ende dasselbe: Gottes ganze Zuwendung, alle den einen gleichen Schatz. Das stellt Jesus eindeutig fest. Es gibt nur eine Beziehung zu Gott haben - oder keine haben. Es gibt nur: Entweder – oder, aber nichts dazwischen. Das Gleichnis vom Knechtslohn ist Jesu Antwort auf die erschrockene Bitte seiner Jünger um mehr Glauben, damit sie die siebenmalige Vergebung an einem Tag schaffen. Jesus zeigt ihnen, dass der Glaube entweder da ist oder nicht. Aber wenn er da ist, dann hat er niemals das Bedürfnis, für Gott eine Leistung zu erbringen aus Pflichtgefühl oder aus Angst, das Heil zu verfehlen. Jesus sagt mit seinem Gleichnis: Seht, so geht es zu zwischen Gott und seinen Leuten! Etwa so wie bei Euch heute zwischen Knecht und Herr. Der Knecht denkt auch nicht, ich will mich lieb Kind machen bei meinem Herrn, mit dem was er tut. Er tut einfach nur das, was ganz normal ist. Er tut das Selbstverständliche.

Dafür gibt es keinen Bonus und keinen Extralohn. Auch keinen Dank erwartet der Knecht, denn er tut das Übliche.

Jesus ist offensichtlich der Überzeugung, dass es ganz normal ist, sooft es nötig wird an einem Tag, dem Bruder auch zu vergeben, weil wir ja auch von Gott so viel Vergebung empfangen.

Für den, der glaubt, ist es das Selbstverständlichste von der Welt, dass er aus Gottes Geist handelt. Das findet er gar nicht besonders ungewöhnlich, das läuft dann einfach wie selbstverständlich so. Genauso wie dieser Knecht im Gleichnis das auch ganz selbstverständlich findet, dass er seinem Herrn nach der Feldarbeit noch das Abendessen richtet. Der denkt sich da gar nichts dabei und erwartet auch keinen Dank dafür. Das läuft ihm gerade so von der Hand.

An dieser Stelle überträgt Jesus seine Geschichte auf unser Verhältnis zu Gott und spricht uns direkt an mit den Worten: So auch ihr! Also auf Neudeutsch: So läuft das zwischen Gott und euch Glaubenden! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sagt: Wir sind unnütze, unwürdige, armselige Knechte. Wir haben nur getan, was wir zu tun schuldig waren!

Ich erschrecke ehrlich gesagt vor der Wucht dieser Sätze! Wenn wir alles getan haben, was in der Bergpredigt gesagt ist: Also, wenn wir in unserem Leben barmherzig waren, auf jegliche Gewalt verzichtet haben, die Feinde geliebt haben, dem anderen so und sooft vergeben haben, wenn wir den Frieden gebaut haben und die Menschen geliebt haben, die uns anvertraut waren, dann sollen wir sagen: Wir sind armselige Knechte! Wisst ihr, wenn wir einmal auf dem Sterbebett liegen werden, dann werden wir viel eher bekennen müssen, dass wir nicht genug geliebt und nicht genug vergeben haben, dass wir nicht immer den Frieden gebaut haben, geschweige denn unsere Feinde geliebt haben werden. Wo wir es aber getan haben werden, da wird es nur Gott alleine wissen. Wir werden nackt und bloß vor Gott stehen. Wir werden ihm gar nichts mitbringen können, womit wir uns ehrenhaft umkleiden könnten, womit wir punkten könnten. Martin Luther starb mit den Worten: “Wir sind Bettler, das ist wahr!“ Wir werden Gott gar nichts mitbringen. Alles, was wir haben, das ist seine Gnade, durch die er uns den Glauben immer neu schenkt, der in diesem Leben in allen Nöten auf ihn vertraut und an ihm festhält. Alles, was uns durch dieses Leben trägt und hält, das sind nicht unsere Leistungen, auch nicht das, wofür andere uns loben, sondern es ist Gottes Liebe zu uns, mit der er uns erträgt, denn sicherlich sind wir - im Bild gesprochen - oft Knechte, die in der Ecke sitzen und nichts mehr tun oder auch nichts mehr tun können, weil uns die Kraft ausgeht ab und an.

Einer hat gesagt, wenn man dieses Gleichnis Jesus liest, muss man daraus den Schluss ziehen, Kirche sei die Gemeinschaft der Nichtsnutze und der Armseligen, ja der Armseligen vor Gott. Ich sage es jetzt mit der Bergpredigt so: Kirche ist die Gemeinschaft derer, die wissen, dass sie von sich nichts, von Gott aber alles zu erwarten haben. Luther hat das einst mit den“ Geistlich Armen“ übersetzt. Die fragen nicht nach Dank oder Lohn für ihr Leben, ein Marin Luther käme nicht auf die Idee, ein Franz von Asissi nicht und auch eine Mutter Teresa nicht, denn ihr Lohn ist es gewesen, mit Gott leben zu dürfen. Die Gnade Gottes mit uns, dass er uns haben will, obwohl wir so sind, wie wir sind, das ist genug im Leben und im Sterben. Dass Gott uns haben will und uns liebt, das ist alles, was wir brauchen in Zeit und Ewigkeit. Gott selber zündet in uns die Liebe zu ihm an. Dazu können wir nichts tun, außer darum zu beten. Und wenn seine Liebe in uns brennt, dann geht es uns wie dem Knecht im Gleichnis, dann fragen wir nicht nach Lohn oder Dank. Wir versuchen dann umgekehrt, mit unserem Leben Gott zu danken. Das geht aber in aller Stille so ab, dass die linke Hand nicht weiß, was die Rechte tut, selbstverständlich eben. Wir haben einen Herrn, der uns dazu befähigt, ihm ganz selbstverständlich zu dienen, weil es um gegenseitige Liebe geht. Dieser Herr hat für uns sein Leben hergegeben. Er kann es gar nicht böse mit uns meinen. Er hat viel mehr für uns getan, als wir je für ihn tun können. Und er wird noch viel mehr für uns tun als wir je verdient haben können, denn er kündigt uns an: „Selig sind die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich umgürten und wird sie zu Tisch bitten und kommen und sie bedienen!“ (Lukas 12,37)

Christus möchte von uns haben, dass wir ihn von ganzem Herzen erwarten und wollen und dass wir unsere ganze Hoffnung auf ihn richten. Wenn er uns dergestalt „wach“ findet, dann lädt er uns in seiner Ewigkeit zu Tisch. Das ist meine Hoffnung, dass wir alle dort einen Platz finden, wo die Tränen abgewischt werden und all die Mühsal von uns abfällt und all die hier unlösbaren Fragen von uns abfallen und gar nicht mehr wichtig sind und all das Verdorbene in Ordnung kommt und der Christus sieht, warum wir so und nicht anders handeln konnten und wollten. Dass er alle Ängste stillt und uns mit uns selbst versöhnt.

Ich will gerne bekennen, dass ich nur ein armseliger Knecht bin, ich könnte ja nicht mehr sein vor ihm. Denn gerade mit den Armseligen, die wissen, dass sie ohne ihn nichts tun können, baut der Christus sein Reich. Wir Christen brauchen nicht nach Dank und Anerkennung hungern oder nach Lohn. Unser Lohn ist es, in Gottes Gegenwart leben zu dürfen. Und selbst wenn es uns nicht gelingen sollte, einem Menschen siebenmal am Tag zu vergeben, obwohl das der vollkommen Liebe Gottes wohl entspräche, selbst dann ist da doch noch ein Weg für ein erneutes Ankommen in Gottes Liebe. Es gibt viele mögliche Gründe, warum wir nicht vergeben konnten. Jesus sagt uns das mit dem siebenmal Vergeben nicht, um uns ein schweres neues Gebot auf den Rücken zu packen, sondern um uns frei zu machen. Ihr wisst ja selbst wie viel seelische Energie gebunden wird, wenn wir mit jemandem Krach haben. Den Krach loslassen können, ihn offen und ehrlich ansprechen und sagen, was man selber vom Konfliktpartner erwartet, kann so viel bewirken und zur Lösung helfen. Das erspart manches Magengeschwür und etliche Falten auf der Stirn .Wenn ich eins gelernt habe von Jesus, dann dies, dass er kein Zwingherr ist, sondern einer, der Fesseln sprengen will. Klar, wollen wir ab und zu unseren Groll pflegen und nicht vergeben. Wir haben ja auch Angst, dass der andere genau den gleichen Mist wieder mit uns anstellt, wenn wir zu weich sind. Die Liebe hat keine Angst vor offenen Worten, auch nicht vor Abweisung. Denn wir stehen fest durch den Christus, der uns ohne Aufhören liebt und zu uns steht. Wir können uns die Güte leisten und die Freiheit eines Christenmenschen gewinnen. Luther sagt: Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan! Und umgekehrt gilt: Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und jedermann untertan. Er wird als freier Herr dem andern ein Christus!

Er wird ihm so gut, wie Christus gut zu ihm ist Tag für Tag. Das ist das Geheimnis des Glaubens, der durch die Liebe tätig wird, ganz selbstverständlich wie der Knecht im Gleichnis Jesu. Ihr wisst so gut wie ich, dass es dabei auch Rückschläge gibt. Neulich sagte mir eine Mitchristin: Ich möchte jetzt niemandem mehr Gutes tun! Sie hatte die Erfahrung machen müssen, dass ihre Hilfe falsch gedeutet wurde.

Solch eine Erfahrung tut weh. Aber ich bin sicher, sie wird es gar nicht lassen können, doch wieder zu helfen, wo sie Not erkennt, weil sie gar nicht anders kann, aus Christi Liebe heraus.

Der Christus treibt die, die ihm vertrauen. Auch Enttäuschungen entmachtet er. Er ist unsere Kraft.

AMEN

Freitag, 24 Dezember 2010 00:00

Predigt an Heilig Abend 2010

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus! Amen

Text: Johannes 3,16

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben!

 

Liebe Gemeinde,

es ist etwas Besonderes um die Heilige Nacht. Sie ist anders als all die anderen Nächte. Wir erwarten mehr. Wir erhoffen mehr. Wir ersehnen mehr. Und wenn uns diese Nacht leer lässt, dann ist das schlimmer als bloß ein verdorbener Abend.

Was erwarten wir?

Was erhoffen wir?

Was ersehnen wir?

Dass es im Leben mehr als ALLES geben muss. Mehr als eine neue Armbanduhr oder eine schicke neue Krawatte, mehr als ein teures, edles Kleidungsstück oder das Perlencollier, das der Ehemann aus Liebe schenkt oder vielleicht auch, weil Weihnachten ist? Mehr als das Festessen und den Weihnachtsbaum. Noch mehr? Ist das nicht alles schon schön genug? Kann uns das nicht schon dankbar machen, dass wir das alles haben können? Dazu eine warme Stube und ein Bett und Menschen um uns, die mit uns das Leben teilen. Was also noch? Dass wir ein Krippenspiel spielen zu Weihnachten, das verrät, was wir erwarten, erhoffen, ersehnen! Unsere Kinder schlüpfen gleichsam in das Leben der Menschen damals hinein. Und so können sie erleben, wie die sich damals gefühlt haben, als Jesus geboren wurde. Sie schlüpfen hinein in die Freude der Hirten und Engel und in die notvolle Situation von Maria und Josef, die so wunderbare Worte hören in jener Nacht, die so gar nicht passen wollen zu dem, was sie gerade auf Erden erleben: abgewiesen werden an vielen Türen, als Fremde und arme Leute. Aber gerade da werden sie von Gott wahrgenommen, ernst genommen, durchgetragen. Die Kinder schlüpfen in diese Rollen und erleben mit, wie sich das anfühlt. Und wir Erwachsenen? Für uns heißt Weihnachten auch jedes Jahr wieder, sich zu erinnern an die glücklichen Weihnachtsfeste, die fest verzeichnet sind in unserem Langzeitgedächtnis, an bewegende Begegnungen mit Menschen, die vielleicht schon nicht mehr sind und die uns heute besonders fehlen oder an Geschenke, die zu Herzen gingen, weil der Geber uns ganz erfasst hat und das, was uns freut.

Die Heilige Nacht,  - wir wünschen uns jedes Mal, dass sie uns verwandelte, uns neu machte, so dass wir uns wie neu geboren fühlten. Wir erwarten viel von dieser Nacht, wir erhoffen viel. Wir wollten gerne in der Geschichte drinnen sein, als ein Hirte, der beglückt ist von der Botschaft, als ein Engel, der Gott sein Lob singt über die Geburt des Heilandes. Ja, einen Heiland, den könnten wir schon brauchen, einen der all das, womit wir nicht zu Rande kommen in seine Hände nähme. Die Jahre, die hinter uns liegen, die sind nicht nur eitel Freude und Sonnenschein gewesen, Da ist auch viel verdorbenes Leben, aus Ungeduld verdorben, aus Unwissenheit verdorben, aus Neid und Unzufriedenheit missglückt oder einfach nur, weil Menschen sich mit den Jahren auseinandergelebt haben, ganz leise und fast unbemerkt. Und dann sitzen wir jetzt vielleicht alleine hier, wo wir sonst noch zu zweit waren. O ja, einen Heiland könnte  wir gut brauchen, einen, der heil macht, was weh tut. Wir würden ihm gerne begegnen, so wie der Erzvater Jakob im Alten Testament, der auf der Flucht vor seinem Bruder Esau, dem er die Zukunft gestohlen hatte, sich mitten in der Steinwüste niederlegte, als die Sonne untergegangen war. Und in der Nacht träumte ihm von einer Leiter, die in den Himmel ragte und die Engel Gottes stiegen darauf auf und nieder, und er hörte Gottes Stimme, die ihm Zuversicht gab und Hoffnung für den weiten Weg, der noch vor ihm lag. Was er sich eingebrockt hatte, das musste er bitter auslöffeln, aber über allem, und sei es noch so hart gewesen, lag doch der Segen Gottes. So anders als Jakob sind wir nicht. Das Jahr, das hinter uns liegt, war auch nicht ganz in Ordnung und wie sich unser Leben in Zukunft gestalten wird, kann niemand von uns sagen. Und heute Abend hoffen auch wir, dass wir solch eine Leiter in den Himmel sehen dürfen und sich auch für uns Himmel und Erde berühren heute Nacht! Ein Engel aus Holz, aus Papier oder Goldpapier, der tut es eigentlich nicht. Ein richtiger, echter Engel müsste das sein, genauso einer, der den Hirten die gute Botschaft brachte: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr! Und es genügt uns auch nicht, dass wir wie unsere Kinder in die Kleider von Hirten und Engeln schlüpfen. Es muss tiefer gehen, es muss ins Herz hinein und dann ganz hinunter, damit diese Nacht uns verwandeln kann für den weiten Weg, der vor uns liegt.

Himmel und Erde berühren sich in dieser Nacht, da das Christuskind geboren wird. Es ist eine gewaltige Nacht, denn da fängt Gott an, alles neu zu machen, und die alte Erde zu verwandeln, zuallererst aber die, die seine Botschaft hören, damals die Hirten und heute uns, wer wieß! Ganz zaghaft und leise und behutsam kommt sein Wort zu uns: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab! Das ist freilich kein harmloses Wort! Darin steckt unser ganzer Jammer, Schmerzen, Schuld und Tränen und nicht zuletzt das Leiden zum Tode, das wir alle fürchten. Manch einer sitzt hier, der die Krankheit zum Tode schon in sich trägt. Wir spielen heute Abend  nicht heile Welt. Auch heute Nacht wird in vielen Familien der Haussegen schief hängen, werden Menschen voneinander enttäuscht sein und werden Tränen vergossen werden. Aber doch wird uns gesagt: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen  einzigen Sohn für sie hergab. Und nicht einfach  nur so harmlos. Der starb für uns am Kreuz.

Einfach lässt sich die Welt nicht verwandeln, nicht harmlos und billig nicht. Gott musste aufs Ganze gehen bis in den Tod, um unsere Herzen zu erreichen. Und das Unfassbare berichtet der Evangelist Johannes. Vielen ging es gar nicht einmal zu Herzen. Sie sahen darüber hinweg, damals und heute womöglich auch. Und wir, - wir sind nicht hier her gekommen, damit nichts geschähe, sondern weil wir unser Herz von Gott erobern lassen wollen, damit etwas geschieht mit uns. Was soll uns denn geschehen? Wir möchten das fassen können, ganz tief in unsere Herzen, dass uns einer sagt:

Du bist geliebt, geliebt und nicht verloren! In all der Mühsal, in der du stehst, in allen Nächten, in allen Dunkelheiten, die über dich kommen: Du bist geliebt! Und dieses Leben -  so schaurig und schön zugleich,-  es ist keine Irrfahrt, sondern ein Heimweg zu dem Gott, der für uns Mensch geworden ist in seinem Christuskind. Möchte uns diese Botschaft verwandeln zu der gewissen Zuversicht, dass wir angesehen werden von Gott, dass er uns beim Namen kennt und durchträgt durch die Nächte, die noch kommen werden, und dass wir nicht, niemals, -  aus seinen Händen herausfallen können.  Möchte das Christuskind euch alle in dieser Nacht zu Menschen verwandeln, die von dieser Zuversicht getragen werden.

AMEN

Freitag, 29 Oktober 2010 20:30

Predigt am 24.10.2010

Epheser 6,10-17

(nach: das lebendige Buch)

Für euch alle gilt: Werdet stark durch den Glauben an Christus und im Vertrauen auf seine Macht! Greift zu den Waffen Gottes, damit ihr alle heimtückischen Anschläge des Teufels abwehren könnt!

Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese finstere Welt herrschen und unsichtbar ihr unheilvolles Wesen treiben.

Darum zieht die Waffen Gottes an! Nur gut gerüstet könnt ihr den Mächten des Bösen widerstehen, wenn es zum Kampf kommt.

So steht nun fest!

Die Wahrheit Gottes ist euer Gürtel und seine Gerechtigkeit eure Rüstung! Die Bereitschaft, überall zu verkündigen, dass Gott Frieden mit uns geschlossen hat, die tragt als Stiefel an euren Füßen!

Vor allem aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr die feurigen Pfeile des Teufels auslöschen könnt.

Die Gewissheit, dass Jesus Christus euch gerettet hat, ist euer Helm, der euch schützt.

Und nehmt das Wort Gottes! Es ist das Schwert, das euch der Heilige Geist gibt.

Ihr fragt, wie ihr zu diesen Waffen kommt?

Hört nie auf, zu bitten und zu beten!

Gottes Heiliger Geist wird euch dabei leiten. Bleibt wach und bereit! Bittet Gott mit Ausdauer für alle Christen in der Welt.

Betet auch für mich, damit Gott mir zur rechten Zeit das rechte Wort gibt und ich überall das Evangelium von Jesus Christus frei und offen verkündigen kann. Auch hier im Gefängnis will ich das tun. Betet darum, dass ich auch in Zukunft diese Aufgabe mit Freude erfülle, so wie Gott sie mir aufgetragen hat.

 

Liebe Gemeinde,

die theologische Forschung ist uneins darüber, ob der Epheserbrief tatsächlich von Paulus oder nicht doch von einem seiner Schüler stamme. Mir selbst leuchtet es unmittelbar ein, dass hier der Apostel aus dem Gefängnis an seine Gemeinde in Ephesus schreibt, um sie zu stärken. Und er selber braucht auch Stärkung. Darum bittet er die Mitchristen in Ephesus darum, für ihn zu beten.

Warum ist es nötig, dass Christen füreinander beten?

Alle Christen stehen in einem täglichen Kampf, schreibt Paulus. Und er meint nicht den Kampf um das tägliche Brot, den Kleinkrieg in der Kindererziehung, die Reibereien, die einer in seiner Ehe bewältigt oder die Überbelastung durch Arbeit. Er meint nicht die alltägliche Last und Mühe des menschlichen Lebens, die Mühe, die das ist, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen und die alltäglichen Probleme zu lösen. Paulus meint einen anderen Kampf, und der ist nicht zum Spaßen. Er beschreibt diesen Kampf so:

„Denn wir kämpfen nicht gegen Menschen, sondern gegen Mächte und Gewalten des Bösen, die über diese finstere Welt herrschen und unsichtbar ihr unheilvolles Wesen treiben.“

Ich weiß nicht, was euch jetzt so einfällt. Ich finde diesen Satz fast ein wenig gruselig, so wie in der Geisterbahn vielleicht, oder wie an Halloween, wo Menschen sich an bösen Fratzen erfreuen und am Dunklen, am Nervenkitzel des Grausigen Befriedigung eines Bedürfnisses suchen, das das Leben über den Alltag hinaushebt. Aber Geisterbahn und Halloween wäre vielleicht eher noch harmlos gegen das wovon der Apostel spricht. Paulus rechnet tatsächlich mit den Mächten des Bösen, deren Ziel es ist, einen Menschen, der an Jesus Christus glaubt, von Christus wegzulocken, so dass er den Glauben und das Heil verliert. Jesus hat auch mit diesen Mächten gerechnet. Beim Abendmahl mit den Jüngern, am Abend vor seiner Kreuzigung sagt er zu Simon Petrus im Lukasevangelium 22,31:“ Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, dass er euch sieben darf, wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört.“ Der Satan hat es auf die abgesehen, die sich um das Reich Gottes mühen und die Gott dazu berufen hat. Auch Jesus selber kannte die Erfahrung des Bösen am eigenen Leib.

Nach seiner Taufe geht Jesus in die Wüste um zu beten und mit Gott allein zu sein. Und gerade dort, wo Jesus ganz bei Gott ist und Gottes Herrlichkeit in ihm und um ihn ist, da kommt der Durcheinanderwerfer, der Satan und nützt den Hunger Jesu aus, den er nach 40-tägigem Fasten verspürt. Er drängt sich zwischen Jesus und seinen Vater und säuselt ach so fromm: Wenn Du Gottes Sohn bist, dann ist es für dich ein Leichtes aus den Steinen der Wüste Brot zu schaffen! Wie teuflisch dieser Vorschlag ist, merkt gar nicht jeder auf Anhieb! Aber Jesus merkt es! Muss Jesus dem Satan wirklich beweisen, dass er Gottes Sohn ist? Wenn er sich dazu entschließt, ist er sich da nicht ganz sicher! Doch für Jesus gibt es daran keinen Zweifel: Gott steht hinter ihm, ganz und gar. Das will Jesus nicht in Frage stellen, auch nicht, was in den 40 Wüstentagen zwischen ihm und dem Vater geredet wurde. Gottes Zusagen in Zweifel zu ziehen oder darstellen zu müssen, was ihm bei seiner Taufe zugesprochen wurde: Du bist mein lieber Sohn! das machte sich schlecht für den Sohn Gottes! Jedoch der Satan sucht listig eine undichte Stelle im Gottvertrauen Jesu, um ihn und den ganzen Heilsplan Gottes zu zerstören. Aber Jesus durchschaut den Satan und antwortet fest: „ Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund geht!“ Mit dem Schwert des Wortes Gottes hat Jesus den Satan abgewehrt.

Mit uns ganz normalen Menschen hat der Satan leichteres Spiel. Ich stelle mir die Christen in Ehpesus vor. Sie mussten in einer ihnen nicht wohlgesonnenen Umwelt leben und arbeiten. Sie waren weder bei den Nachbarn noch bei den staatlichen Stellen gern gesehen und gelitten. Verleumdung, Konfiszierung des Eigentums, Überfälle oder gar Verhaftungen waren keine Seltenheit. Da kann sich einer schon mit der Zeit überlegen, ob er noch zu Jesus Christus gehören will, oder ob es nicht viel einfacher ist, wie alle andern ein Leben ohne Christus zu führen und Gott den Rücken zuzukehren. Eine teuflische Versuchung! Da kämpft einer nicht mehr mit Fleisch und Blut, in gewisser Weise natürlich schon, nämlich mit seinem eigenen Fleisch und Blut, das ohne Angst und Schmerzen leben will. Aber der, der so in die Enge treibt, dass der Glaube in Frage steht, ist nicht aus Fleisch und Blut. Der hat größere Gewalt.

Da ist der Pfarrer, der sein Leben lang im Dienst des Evangeliums stand. Ausgerechnet der stirbt elendiglich an Krebs. Das wird für viele Gemeindeglieder zur Anfechtung. Womit hat er das verdient. Warum tut Gott so etwas?

Oder warum nimmt er die junge, glaubende Mutter fort von ihrem Kind? Für die Menschen, die so etwas erleben müssen, steht der Glaube auf Messers Schneide, kommt alles ins Wanken. Paulus meint. Hier kämpfen wir nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit Mächtigerem, mit den Gewalten des Bösen.

Hiob im Alten Testament fällt mir ein, den der Satan prüfen darf mit dem Verlust all seiner Kinder und der eigenen, ekligen Krankheit.

Auch Hiob kämpft nach dem Zeugnis der Bibel nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit der Arglist des Satans, der denen an die Haut will, die sich treu zu Gott halten. Es ist, als könne er das nicht haben, dass Gott gelobt und geliebt wird. Darum will er die Lobenden und Liebenden zerstören.

Oder ganz am Anfang der Menschengeschichte mit Gott, als Gott verbot von dem Baum der Erkenntnis zu essen, da kommt die Schlange und lispelt listig der Eva ins Ohr: Sollte Gott wirklich gesagt haben…? Ob es nun eine Schlange ist, oder eine Stimme in uns selber, das Ergebnis ist dasselbe, wenn wir anfangen solchen Stimmen zuzuhören und zu folgen. Sollte Gott wirklich gesagt haben, du sollst nicht ehebrechen? So von hinterm Wald kann Gott doch nicht sein, das macht doch heute fast jede und jeder! Nein, Gott hat wirklich und wahrhaftig gesagt, du sollst nicht ehebrechen. Manchmal stehen wir Christen mit dieser Lebenshaltung allein auf einsamem Posten. Die Ehe ist heilig, nicht von uns her, aber von Gott her. Das gilt! Die Welt kann auch uns anstecken mit der lebensvernichtenden Lässigkeit in Beziehungsfragen, kann uns  unsicher machen, die Wahrheit verwässern, Gottes Wort relativieren und beliebig machen. Aber Paulus ruft uns zu: SO STEHT NUN FEST!

Wir haben  nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit wesentlich stärkeren Mächten. Es gilt zu widerstehen.

Wir hier in Deutschland werden nicht verfolgt oder verleumdet, wie die Christen in Ephesus. Wir werden als Christen höchstens nicht ernst genommen. Uns passiert es vielleicht, dass jemand zu uns sagt: Wie kannst Du nur so denken! Was kümmert dich denn der andere? Der ist doch für sich selbst verantwortlich! Oder: Da wundert sich etwa jemand, wenn wir nicht Gleiches mit Gleichem vergelte und halten uns für blöde, weil wir nicht zurückschlagen. Leben im Geist Jesu, das fällt bereits als ungewöhnlich auf. Sind wir Christen schon ein wenig exotisch für unsere Zeitgenossen? Für manche sicherlich. Unsere Art zu denken und zu fühlen ist ihnen fremd. Manchmal fühle ich mich dann fremd in meiner Umgebung. Und doch wissen wir ja als Christen, dass der Geist Jesu in uns ist und uns nachgewiesenermaßen anders denken lässt als Menschen, die ihn nicht kennen. Es gilt aber, bei Jesus zu bleiben und in seinem Geist unser Leben zu leben.

SO STEHT NUN FEST!

Das aber liegt nicht allein in unserer Macht. Damit es gelingen kann, dem Bösen zu widerstehen, legt Gott uns so etwas wie geistliche Waffen bereit, mit denen wir uns gegen die listigen Anschläge des Bösen wehren können. Paulus zählt da ein ganzes Waffenarsenal auf. Jedoch, solche Waffen tragen Soldaten kaum!

Da ist zunächst ein Gürtel, der heißt: Wahrheit! Damit soll ein Christ sich gürten. Beim Schwur legten sich die Alten die Hand über den Schoß. Dort ist der Ort der Wahrhaftigkeit. Das war so viel gesprochen wie: bei meinem Leben! Ein reines Herz zu haben, ist die beste Waffe gegen den Satan. In einem wirklich reinen Herzen kann er einfach mit gar nichts landen. Solch ein reines Herz schenkt der Heilige Geist. Da gehen Menschen sicheren Trittes an den tiefsten Abgründen vorbei und fallen nicht hinein. Gott legt uns einen Brustpanzer hin, der Gerechtigkeit heißt. Ein Christ weiß, selbst wenn mich mein eigenes Gewissen verklagt, dass ich ein Sünder bin und Dunkles mein Leben schuldig spricht, so ist doch Christus größer als mein Herz und hüllt mich ein in seine Gerechtigkeit. Die darf ich allem Bösen entgegenhalten und laut schreien: Ich gehöre Christus! Ich bin sein! Ich bin  nicht des Bösen. Ich bin frei. - Das ist eines Christen Kriegsgeschrei. Jesus Christus ist mein Herr und sonst nichts und niemand. Und er ist mächtiger als alle Mächte und Gewalten. Sie müssen ihm untertan sein. Christus ist mächtiger als alle Stimmen, die uns zum Hassen verführen wollen, oder zur Verzweiflung oder zum Fallenlassen unseres Glaubens.

Da liegt noch so eine Schutzwaffe bereit. Das ist der Helm des Heils. Jeder von uns weiß, dass Christus uns erlöst und zu Gott hin gerettet hat. In diese Gewissheit tauchen wir ein, wenn uns Not bedrängt und Zweifel aufkeimt. Ganz fest ziehen wir diesen Helm über. Da sind Kopfhörer drin, die uns zusprechen: Dein Gott lässt dich nicht fallen!

Und dann liegt da noch ein Schwert für den Nahkampf. Jesus hat es in der Wüste dem Satan gegenüber meisterhaft gebraucht! Er hat sich mit dem Wort Gottes gegen Satan gewehrt.

Das Wort Gottes ist der Schatz, der uns immer wieder rettet, aufrichtet, tröstet, leitet und zurechtbringt. Man kann sich daran festhalten, man kann sich damit wehren. Man kann es sich in schlaflosen Nächten selber vorsagen bis der Friede einkehrt. Man kann sich an solch ein Gotteswort klammern wie ein Ertrinkender: Der Herr ist mein Licht und  mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?

SO STEHT NUN FEST! Werdet stark im Herrn! An den Waffen muss man sich üben, auch im echten Militärdienst, damit sie wirksam eingesetzt werden können. Der Heilige Geist lehrt die Christen, die Waffenrüstung, die Gott uns bereitlegt, recht zu brauchen. Am allermeisten aber das Gebet, das Berge versetzt und Wirklichkeit verändert und Hilfe schafft, wo alles verloren scheint.

Wir feiern heute das Abendmahl Jesu. Das schenkt er uns, damit wir stark werden in ihm. Er schenkt uns Kraft von seiner Kraft, damit wir den Glauben durchhalten und die Hoffnung und die Liebe bis er kommt. Nicht müde werden, sondern wach bleiben und alles von ihm erwarten, alles! An die Philipper schreibt Paulus: Der, der in euch das gute Werk angefangen hat, der wird es auch vollenden bis zum Tag Jesu Christi.

Daran lasst uns festhalten. Der Christus, der nun der Herr ist über alle Mächte und Gewalten, der wird uns ans Ziel bringen.

AMEN

Sonntag, 04 Juli 2010 13:00

Predigt am 04. Juli 2010

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus! AMEN

 

Text: 1. Kor. 1,18-25

Liebe Gemeinde,

das Wort vom Kreuz ist eine Dummheit für die Welt, aber für uns Christen ist es Gottes Kraft und Weisheit! Was ist das Wort vom Kreuz? Christen glauben, dass Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes, uns so sehr liebt, dass er sein Leben für uns hergegeben hat, um uns die Liebe Gottes begreiflich zu machen. Es war kein schöner Anblick. Er wurde ans Kreuz genagelt an Händen und Füßen. Das war damals die größte Schande, die man einem Menschen antun konnte. Ganz langsam starben die so Verurteilten. Und Jesus hat dabei noch für seine Peiniger um Vergebung gebetet und gesagt: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. So erfüllte er sein eigenes Wort: Liebet eure Feinde! Kinder aus nichtchristlichen Elternhäusern erschrecken zutiefst, wenn sie zum ersten Mal das Bild des Gekreuzigten sehen. Das hat mir bewusst gemacht, dass wir uns viel zu sehr an den Anblick des gekreuzigten Christus gewöhnt haben. Wir sind mit seinem Bild groß geworden. Aber eigentlich ist dieses Jesuskreuz eine brutale Darstellung unmenschlichster Gewalt, nicht weniger grausam als die Hinrichtungen, die von den Taliban verübt werden. Und  nun soll ein Nichtchrist darin die Liebe Gottes sehen können? Leicht könnte er angewidert wegschauen und sagen: So ein Schwachsinn! Und was soll daran erlösend sein oder gar Liebe , wenn einer gelyncht wird. Aber wir Christen haben gerade darin die Liebe Gottes erkannt und begriffen, dass Gott am Kreuz sich dem Bösen aussetzt, ohnmächtig und schwach wird, wie einer von uns, der zum Opfer wird, und dass er gerade so das Böse entmachtet. Dem menschlichen Verstand ist das ganz und gar unbegreiflich! Wer es  verstehen darf, ist von Gottes Geist erfüllt worden.

 

Der Apostel Paulus hat in seiner jüdisch – griechischen Umwelt die Erfahrung gemacht, dass er mit der Botschaft von Jesus, dem gekreuzigten Sohn Gottes bei den Juden Ärger hervorrief, denn sie waren der Überzeugung, dass Jesus von Nazareth nicht der Sohn Gottes sein könne, gerade weil er gekreuzigt wurde. Steht es doch schwarz auf weiß im Alten Testament, dass ein ans Holz Gehängter von Gott Verflucht ist.

Zum anderen handelte sich Paulus bei griechisch – römisch gebildeten Menschen Spott und Gelächter ein. Für die war ein schwächlicher Gott, der sich ans Kreuz schlagen lässt eine schiere Unmöglichkeit, eine absolute Gestörtheit. Die Götter sind stark und unsterblich und lassen sich gewiss nicht von Sterblichen ans Kreuz schlagen. Wer das behauptet stellt ja die ganze Welt auf den Kopf! Solche schwachen Götter, auf die könnte man genauso gut  verzichten.

Darum schreibt Paulus: Das Wort vom Kreuz ist Torheit denen, die verloren gehen, uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.

Wie stehen wir heute im 21. Jahrhundert zum Kreuz, wir Christen, in unseren kleiner werdenden Gemeinden, mitten in einer multikulturellen Gesellschaft. Auch für die Muslime, deren Glauben 600 Jahre nach der Kreuzigung Jesu entstanden ist, ist die Kreuzigung eines Gottesmannes wie Jesus undenkbar. Darum lehrt der Koran, Jesus sei nicht gekreuzigt worden, sondern Gott habe ihn gerettet. An seiner Stelle sei ein anderer ans Kreuz geschlagen worden .Diese Irrlehre erfand nicht Mohammed. Sie war schon in der frühen Christenheit im Schwange. Die Gnostiker fanden auch schon, dass Gott sich da wohl im Ton der Erlösung vergriffen habe mit dem Kreuz. Die Gnostiker wurden von den Kirchenvätern aus der Kirche ausgewiesen. Das Wort vom Kreuz wurde nicht preisgegeben.

Das Wort vom Kreuz ist Torheit in der Welt wie sie ist, Torheit für den gesunden Menschenverstand. Der Mensch wünscht sich einen Gott, der stark und gesund und herrlich ist. Die Alten unter uns erinnern sich wahrscheinlich gut daran, welche Blüten dieser Wunsch nach einem starken Gott unter Adolf Hitler getrieben hat. Der deutsche Mann ist hart wie Kruppstahl und ein deutscher Junge weint nicht.

Gottesbild und Menschenbild haben viel miteinander zu tun.

Nur was stark und gesund und kräftig ist, hat ein Recht auf Leben, meinte Adolf Hitler. Darum ließ er behinderte Menschen töten und beseitigte was er für rassisch unrein hielt.

Das Wort vom Kreuz war auch den Nationalsozialisten eine Torheit!

Gleichwohl, hat es seit 2000 Jahren viele Reiche überdauert. Das Wort vom Kreuz lebt und ist kräftig und überzeugt immer wieder Menschen, dass sie darin ihre Kraft und ihren Trost und ihren Halt finden, ganz gleich, was andere sagen oder was die Gesellschaft um sie her denkt.

Das Wort vom Kreuz ist Torheit denen, die verloren gehen, uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.

Dass uns der Gekreuzigte eine Quelle der Kraft ist, das haben wir uns nicht selber geben können. Dass wir ihn als unseren Herrn bekennen können, das ist nicht unser Verdienst. Martin Luther formuliert in seiner Erklärung zum Glaubensbekenntnis: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durchs Evangelium berufen und im rechten Glauben geheiligt und erhalten.

Niemand kann sich das Verständnis des Kreuzes selber aufschließen und es aus eigener Kraft verstehen. Wenn das geschieht ist Gott durch seinen Heiligen Geist am Werk. Ich kann Euch die Botschaft vom Kreuz auch nicht logisch erklären oder mit wissenschaftlichen Methoden darstellen, damit ihr sie überzeugend findet. Nein, aber ich kann sie Euch bezeugen, so, wie sie mich getroffen und erreicht hat.

Ich war gerade mal 7 Jahre alt und es war am Karfreitag, als unser Kindergottesdiensthelfer uns die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu erzählt hat. Er schenkte uns ein ganz einfaches Bild mit einer Kreuzdarstellung drauf. Ich weiß noch wie heute, dass ich das Bild ansah und dachte, mein Gott, wie sehr musst Du mich lieb haben, dass Du so etwas für mich tust! Das Kreuz Jesu hat mich nie wieder losgelassen. Für mich ist es das unüberbietbare Zeichen und die nicht zu toppende Tat der Liebe Gottes, in Christus Jesus. Mir war schlagartig klar, so wie es oft nur Kindern klar sein kann: Da ist jemand, der mag Dich total. Der mag dich so, dass er dich niemals fallen lassen wird. Der hat dich praktisch in seine Liebe hineingeborgen mit diesem seinem Tod. Da kannst Du auch gar nie wieder herausfallen.

Ich habe angefangen, mich für diesen Gekreuzigten zu interessieren, wollte alles über ihn wissen, habe dann selbst von ihm erzählt im Kindergottesdienst und später im Studium meine Zulassungsarbeit über die Kreuzestheologie Martin Luthers geschrieben.

Und jetzt bin ich Pfarrerin, um diesen gekreuzigten Christus zu predigen. Und ich werde nicht müde, von unserem gekreuzigten Herrn zu erzählen, dort wo Menschen an ihre Grenzen kommen, wo es ans Sterben geht und ans Abschiednehmen, wo das Leben nur noch am seidenen Faden hängt und nichts mehr hält, was so fest schien und verlässlich. Dort wo mit einem mal das Leben zu zerbrechen scheint, da ist das Wort von dem gekreuzigten und auferstandenen Christus eine Zuflucht und ein Halt, der trägt, noch ganz am Boden. Denn die Beweise verlassen uns, wenn es ernst wird und die brauchen wir dann auch nicht. Und unsere Taten bleiben zurück und all unsere Leistung, wenn es ernst wird und unsere Weisheit auch. Sie kann uns dann nicht helfen.

Aber dieses Wort vom Kreuz hält allem Elend stand. Sieh da, die Hand deines Gottes, der sich nicht zu gut ist, für dich so schwach zu werden, dass er ganz da unten bei dir sein will. So macht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit. Der scheinbar schwache Gott erweist in der Schwachheit seine Kraft, die Kraft seiner Gegenwart. So tröstet er, kniet neben Dir im Dreck und wischt Dir die Tränen ab.

In Ausschwitz, so wird berichtet, habe man einen Jungen zum Tod durch den Strang verurteilt, zur Abschreckung, wie man sagte. Die erwachsenen Männer, fassungslos darüber, fragten ihren Rabbi: Wo ist nun Gott? Und der Rabbi deutete auf den erhängten Knaben und sprach: Dort hängt er.

Dort hängt er, Jesus von Nazareth, dort, wo Menschen leiden und zugrunde gehen in nicht mehr erträglichen Lebenssituationen.

Gott hilft uns nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel, nicht mit einem Machtwort und nicht so, dass er die Bösewichter einfach am Schlawittchen packt und aus dem Verkehr zieht. Gott hilft uns, indem er mit uns leidet. Darum schreibt Paulus: Genauso hat es Gott gefallen durch die Torheit der Predigt vom Kreuz Jesu Menschen zu retten.

Und das kommt dann wirklich aus heiterem Himmel, dass  Menschen im Wort vom Kreuz ihren Frieden und ihren Trost finden, durch Gottes Güte, dass sie die Hand dieses Gekreuzigten ergreifen und spüren, der hält mich, der ist es, der mich liebt, auch jetzt im Dunkeln.

Und selbst dann noch, wenn wir selber das Gefühl haben, dass wir ganz und gar ins Dunkel abstürzen und dass uns nicht einmal mehr der Christus halten kann, selbst dann noch hält seine Liebe unserem Nicht mehr Wollen und Nicht -  mehr -  Können stand.

Da ist Grund unter dem Abgrund – nicht zu begreifen, nicht zu beweisen, aber dieser Grund trägt.

So stirbt an der Schwachheit Gottes, was uns Sorge macht und Angst, und so steigen von jenem Grund unter dem Abgrund andere, neue Zeichen auf …. nichts Vollkommenes, mit dem man sich rühmen könnte.

Aber Bruchstücke der Hoffnung steigen auf, an die man sich halten kann und die weit hinausweisen über unseren kleinen, armseligen Horizont, wenn es dunkel ist. Im Blitz eines Gedankens die Zuversicht, dass alles gut wird und wir bestehen werden, ein warmer Strom von neuer Kraft, gerade genug, um über den Tag zu kommen.

Da muss einer nicht mehr den starken Mann oder die starke Frau spielen, da muss keiner sich mehr seiner Schwachheiten schämen – mehr noch, da muss keiner mehr seine Schwachheit fürchten. Vor Gottes großer Schwachheit in dem Tode Jesu Christi bleiben unsere kleinen Schwachheiten zurück.

Uns so wird in aller Stille unser Glaube an den gekreuzigten Christus der Sieg, der die Welt überwindet. Nicht ohne Angst, nicht ohne Bangen, auch nicht tränenlos, aber beharrlich, Stück für Stück. So ist uns, die wir Christus kennen, der Anblick seines Kreuzes ein starker Trost, das Bild seiner Angst und Not unser eigenes Bild, wie oft! Aber in diesem Bild das Vertrauen darauf, dass er uns hält, gerade so.

Das Wasser der Taufe und Brot und Wein von seinem Tisch sagen uns immer wieder: Wir gehören dem gekreuzigten und auferstandenen Christus. Er sorgt für uns.

 

Amen.

Liebe Festgemeinde, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,

wir haben einen intensiven, gemeinsamen Weg hinter uns – Euer Konfirmandenjahr! Nun habt ihr alles gelernt, was einer braucht, um für sich selbst verantwortlich Christ zu sein. Eure Eltern, Paten und Religionslehrer, die Menschen in der Kirchengemeinde, zuletzt der Konfirmandenunterricht haben den Grund gelegt, auf dem ihr weiterbauen könnt. Wir hoffen dass ihr dranbleiben werdet an der guten Sache Jesu Christi, am Weg des Friedens und der Liebe. Heute wollen wir Euch zu diesem guten Weg stärken und Euch als junge Christinnen und Christen ins Leben hinaus schicken, einen jeden und eine jede auf ihren eigenen Lebensweg.

Freitag, 05 Februar 2010 20:26

Unsere Pfarrer

Unsere Pfarrer 1955 - 2006


Am 15.Mai 1955 trat der erste eigene Pfarrer der Evangelischen in Albbruck, Pfarrer Werner Litzelmann, sein Amt an, nachdem Albbruck aufgrund der steigenden Zahl der Evangelischen am 10.05.1955 zum Pfarrvikariat erklärt worden war , damals schon mit der Maßgabe, bald schon eine eigene Pfarrei zu werden, wenn der Zuzug anhielte. 1956 war es dann auch soweit. Hier sollen unsere bisherigen Pfarrer kurz porträtiert werden.

Freitag, 05 Februar 2010 20:23

Die Jahre 1982-2005

Die Jahre 1982 – 2005

(dokumentiert durch Pfarrerin Heidrun Moser)

Freitag, 05 Februar 2010 20:21

Wie alles begann

Wie alles begann


Mit der Industrie und dem Eisenbahnbau entlang des Hochrheins kamen auch die ersten wenigen evangelischen Christen nach Albbruck. „Fabrikler“ und „ Isebähnler“ waren Schimpfworte der eingesessenen Bevölkerung und oft gleich gesetzt mit Ketzer, Ungläubige, Abweichler, wie der erste Säckinger Pfarrer Karl Christoph Siegrist in der Rückschau schrieb.

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