Predigten

Heidrun Moser

Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

Samstag, 15 September 2012 20:07

Die Krabbelgruppe Albbruck

Die Krabbelgruppe im Jahr 2009

Jeden Donnerstag sind bis zu acht junge Mütter mit ihren Kindern im Jungscharzimmer beieinander, um mit Ihren Kindern zu spielen und sich auszutauschen.

Teilnehmen können Sie mit Ihrem Kind, sobald Sie es möchten, schon ab 3 Monaten. 

 

Am kommenden Sonntag feiern wir um 17.00 Uhr einen besonderen Gottesdienst. Die Evangelischen in Albbruck und in Görwihl werden eine Gemeinde.

Das begehen wir ganz festlich mit vielen Gästen aus den beiden Kommunen, aus den Kirchen- und Pfarrgemeinden unseres Dekanates. Den Gottesdienst gestalten unsere Dekanin Christiane Vogel und Pfarrerin Heidrun Moser. Außerdem wirkt unser Chor „Lichtblick“ mit, sowie die Musikgruppe von Frau Eckert-Segna. Unsere Görwihler Gemeindeglieder reisen mit einem schönen alten Postbus aus Görwihl an. Sie werden in ihren Teilorten abgeholt und zum Fest gebracht.

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus!
Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

Heute freuen wir uns, dass die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden da sind.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Als Kinder seid ihr fast alle getauft worden und sollt nun über Monate hinweg Gelegenheit haben, euch miteinander über unseren Glauben auseinanderzusetzen. Stärken wollen wir euch in diesem Glauben und euch zu diesem Glauben ermutigen. Ihr sollt wissen, was euch in der Taufe geschenkt worden ist. Ihr sollt eure Straße fröhlich ziehen können, weil ihr euch an Gottes Hand wissen dürft und weil das Feuer der Liebe Gottes euch erfüllen und wärmen soll. Dass euch das immer wieder spürbar zuteil wird, das wünschen wir euch! Heute handelt unser Predigttext von einem, der auszog, Gott zu suchen und dann hat Gott ihn gefunden!

Am Ende war auch da ein Mensch von Gottes Liebe erfüllt und von der Sache Jesu begeistert war. Feuer und Flamme eben!

Am 27.6.2012 hat für die Jugendlichen aus Görwihl und Albbruck der Unterricht begonnen. Sie treffen sich jeden Mittwoch mit Pfarrerin Heidrun Moser und Kirchengemeinderätin Heike Gähwiler im Evangelischen Gemeindehaus in Albbruck jeweils von 16.45 Uhr-18.15 Uhr. Die Konfirmation feiern wir am 5. Mai 2013 in der Christuskirche in Albbruck.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

mit dem heutigen Tag ist Euer Konfirmandenjahr zu Ende. Ihr seid ab heute erwachsene Mitglieder dieser Gemeinde. Ihr dürft das Patenamt für ein Kind übernehmen, denn jetzt habt ihr eigentlich alles gelernt, was nötig ist, was einer von Jesus wissen muss, um in seinen Spuren zu leben und also auch einem anderen Menschen vorzuleben und zu zeigen, wie das geht. Ihr habt es wohl begriffen, was Jesus meint. Das habt ihr mir gezeigt, als ich Euch vor wenigen Wochen fragte: Wie stellt ihr Euch Gemeinde vor, eine Gemeinde, in der ihr gerne leben würdet? Und da habt ihr gesagt, in dieser Gemeinde müsste ein Klima der Offenheit herrschen, so offen, dass auch ein Schwarzer angenommen wäre und willkommen. Und es müsste so sein, dass einer, der hier zur Türe hereinkommt  auch wahrgenommen wird, ganz persönlich und dass er nicht wieder zur Kirchentür hinausgeht, ohne daß ihm einer gut getan hat. Die Menschen  in einer Gemeinde müssten freundlich zueinander sein, sich gegenseitig helfen und einander unterstützen.

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus! Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

Jesus ist Sieger! Ihm ist alle Macht gegeben. Das ist die Botschaft von Ostern. Es gibt keine Macht auf Erden, über die er nicht der Herr wäre. Jesus ist stärker als die Macht des Geldes, stärker als brutale Gewalt, stärker als alle Ängste und Nöte, und er ist stärker als der Tod!

JESUS IST SIEGER!

Darum singt der Apostel Paulus ein Siegeslied zu Ostern im 1. Korinther 15,54-58

Der Tod ist verschlungen vom Sieg! Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel? Der Stachel des Todes ist die Sünde und die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn, Jesus Christus! Darum, meine lieben Brüder, seid  fest und unerschütterlich und nehmt immer zu im Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!

Fast vier Jahre lang konnte die Evangelische Kirchengemeinde Görwihl— Herrischried nicht bleibend besetzt werden. Auch die Lösung einer Besetzung durch zwei Theologinnen in Stellenteilung, Natalie Wiesner und Heidrun Moser war nur von kurzer Dauer. Pfarrer Eberhard Günther hat sich jetzt bald dreieinhalb Jahre als Vakanz-vertreter für die Gemeinde auf dem Wald eingesetzt.

Der Bezirkskirchenrat Hochrhein hat darum eine weitreichende Lösung beschlossen. Die Evangelische Kirchengemeinde Görwihl—Herrischried wird getrennt. Herrischried und seine Ortsteile werden mit der Evangelischen Kirchengemeinde Murg— Rickenbach fusionieren, Görwihl und seine Ortsteile mit der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck. Für uns Albbrucker heißt das, dass wir evangelische Verstärkung bekommen. 522 Gemeindeglieder mehr gehören dann zu uns. Albbruck hat dann ca. 1750 Gemeindeglieder und wird wieder eine ganze Pfarrstelle. Görwihl bleibt Predigtstelle. Der Konfirmandenunterricht wird für alle in Albbruck stattfinden. Das Pfarramt wird ab September 2013 für alle in Albbruck sein. Solange der Mietvertrag für die Räume im Albert-Schweitzer-Haus in Görwihl läuft, wird in Görwihl das Sekretariat geöffnet bleiben. Schon ab September 2012 wird die neue Regelung in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt werden auch die Kirchenältesten aus Görwihl und Albbruck gemeinsam tagen. Kirche muss immer wieder neue Formen des miteinander Kirche seins ausprobieren und leben. Das beständigste auf der Welt ist der Wandel, sagt man. Und doch wissen wir als Christen, dass es etwas sehr viel Beständigeres gibt, als den Wandel. Der Apostel Paulus bezeugt uns, dass die Kirche auf sicherem Grund steht, der niemals bröckelt. Er schreibt:

Einen andern Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus! 1.Kor. 3,11

In diesem Vertrauen wollen wir gemeinsam Kirche bauen, oben auf dem Wald und unten am Rhein.

Sonntag, 25 September 2011 20:15

Bittgebet für die Papierfabrik am 22.09.2011

Bittgebet für den 22.09.11 Papierfabrik bedroht

 

Die Glocken der beiden großen christlichen Kirchen läuten von 18.55 Uhr bis 19.00 Uhr gemeinsam. Eine Glocke der kath. Kirche wurde einst  von der Papierfabrik gestiftet.

 

 

Begrüßung: Wir heißen Sie herzlich willkommen in unserer Evangelischen Kirche, wir -  das sind Frau Dekanin Christiane Vogel als Vertreterin des Evang. Kirchenbezirkes Hochrhein, Herr Diakon Harald Gräf und ich als Vertreter der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck. Die Glocken der katholischen Kirche und die der evangelischen Kirche haben zusammen geläutet, um die Menschen unserer Gemeinde herbeizurufen. Eine der Glocken der katholischen Kirche ist einst von der Papierfabrik gestiftet worden. Wir haben zum Bittgebet eingeladen. Sie sind gekommen. Wir wollen beten, denn morgen gibt es einen Runden Tisch zur Zukunft unserer Papierfabrik. Wir bangen gemeinsam, aber wir hoffen auch gemeinsam. Und wir wollen unsere Sorgen und Ängste heute vor Gott tragen und sein Wort hören. Wir wollen beten für gute Gespräche morgen an diesem runden Tisch.

 

Votum: Alles, was jetzt geschieht, es geschehe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!  AMEN

 

Wir zünden ein Licht der Hoffnung an!

Die Sache ins Gebet nehmen

1. Wir denken jetzt an alle, deren Arbeitsplätze bedroht sind, an die, die älter als 50 Jahre sind und Angst haben müssen, dass niemand sie mehr einstellen könnte. Kyrie

2. Wir denken an die jungen Familien, die ein Haus gebaut haben, die Kinder aufziehen und sich hier zuhause fühlen. Kyrie

3. Wir denken an die Familien, aus denen mehrere Mitglieder in der Papierfabrik arbeiten .Kyrie

1 .Wir denken an die Jugendlichen, die mitten in einer Lehre sind und an die, die im September mit ihrer Lehre beginnen sollten. Kyrie

2. Wir denken an die Holzbauern auf dem Wald und alle Zulieferbetriebe, an die Handwerksbetriebe, an die Menschen, die in den Speditionen für die Papierfabrik fahren und arbeiten. Kyrie

3. Wir denken an unser Dorf, das mit der Fabrik zusammen ein Organismus ist. Kyrie

1. Wir denken an unseren Bürgermeister und die Gemeinderäte und an alle, die sich jetzt  um das Wohl unsere Gemeinde mühen. Kyrie

 

Lied: 366,1+2+5

 

Gebet

 

Herr,

du weißt alle Dinge. Du weißt die Not, die viele Menschen in unserer Gemeinde bedroht.

Wir brauchen unsere Arbeitsplätze.

Wir brauchen Brot und Wohnung und Lebensmöglichkeiten für Männer, Frauen und Kinder.

Wohin sollen so viele Menschen gehen, wenn hier keine Arbeit mehr ist?

Wir rufen zu Dir: Herr, erbarme dich!

 

Kyrie gesungen: 178.12

LESUNG. PSALM 121

STILLE

Eine Geschichte von Gottes Eingreifen in schwerer Zeit: Das Buch Ruth

Liebe Gemeinde,

eine Geschichte von Gottes Eingreifen in schwerer Zeit möchte ich heute erzählen, weil es eine Hoffnungsgeschichte ist und zwar eine ganz  normale Geschichte, die wenig Spektakuläres enthält, einfach so aus dem normalen Leben gegriffen, aber doch eine Geschichte, in der Gottes Dabeisein, sein Wirken sichtbar wird und das, was unsere Vorväter so genannt haben: Gott sitzt im Regiment. Er regiert. Und das tut er manchmal ganz verborgen und still und fast unbemerkt.

Die Frau, von der ich erzählen will, heißt Noomi. Mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen muss sie wegen einer Hungersnot ihre Heimat Bethlehem verlassen. Als Ausländer wohnen  sie im Land Moab. Dort gibt es noch genug zu essen, aber Noomis Mann  wird krank und stirbt. Allein muss Noomi ihre beiden Söhne groß ziehen. Es gelingt ihr und  beide finden Frauen in dem fremden Land. 10 Jahre vergehen, da rafft eine Krankheit beide Söhne weg. Noomi beschließt, wieder heimzugehen, nach Bethlehem. Den beiden jungen Frauen rät sie, daheim zu bleiben und noch einmal zu heiraten. Doch die eine, Ruth, will ihre Schwiegermutter nicht alleine lassen. Sie geht mit ihr. Als die beiden in Bethlehem ankommen, erkennen die Menschen Noomi wieder und rufen sie beim Namen. Noomi aber sagt: Nennt mich nicht Noomi, sondern nennt mich Mara, die Bittere; denn der Allmächtige hat mir viel Bitteres angetan. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der Herr wieder heimgebracht.(Ruth 1,21)

Noomi meint, dass ihr Leben zu Ende ist, dass nichts mehr geht, dass alles einfach zerstört ist. Die beiden Frauen sind ohne einen Mann, der für sie sorgen könnte. Alles, was sie noch haben ist ein Feld von Noomis verstorbenem Mann. Was sie jetzt brauchen ist ein Löser, ein naher Verwandter, der den Besitz von Noomis Mann und dessen Söhnen kauft, die junge Witwe, Ruth, zur Frau nimmt und dem Toten zu Kindern verhilft, damit sein Name in Israel nicht ausstirbt. Aber wie soll das geschehen? Wie sollen die Frauen diesen Löser finden?

Manchmal fragen wir uns im Leben, wie es weitergehen soll. Ob es überhaupt noch weitergehen kann! Und dann kommt es darauf an, dass wir an die richtigen Menschen geraten, die uns begleiten und die die Macht haben, etwas zu ändern und dass wir selbst beherzt das Richtige tun und nicht den Kopf in den Sand stecken und alles verloren geben. Noomi , die schon die Bittere genannt werden wollte, sie darf erfahren, dass Gott noch etwas mit ihr vorhat.

Gott sitzt im Regiment und will das der Noomi auch zeigen.

Und das geschieht so ganz einfach im Alltag, so als wäre es ganz selbstverständlich.

Ruth geht in der Erntezeit auf dem Feld Ährenlesen. Das war das gute Recht der Armen, dass sie die Ähren, die abfielen, einsammeln durften, um sich davon zu ernähren. Ruth gerät auf das Feld des Boas, des Mannes, der als Löser für sie und Noomi in Frage kommt. Das weiß Ruth aber nicht. Boas behandelt sie bevorzugt, befiehlt seinen Knechten, sie ja nicht anzurühren und gibt ihr eine extra Portion Körner mit nach Hause für Noomi.

Ob das Zufall war? Ich glaube kaum. Gott sitzt im Regiment!

Als Ruth der Noomi von Boas erzählt, begreift die alte Frau, dass Boas Ruth schon liebgewonnen hat und nun nimmt die alte Frau all ihre Beherztheit zusammen und rät der jungen, sich schön zu machen und sich in der Nacht des Erntefestes, wenn Boas bei seinem Korn übernachten würde, zu seinen Füßen hinzulegen. Ruth tut, was die alte Frau sie tun heißt. Boas verspricht Ruth in dieser Nacht, dass er sie heiraten werde, wenn der noch näher verwandte Löser ablehnen werde für die beiden Frauen zu sorgen. Am andern Morgen dann klärt Boas mit den Männern im Dorf ganz rechtsverbindlich, dass er das Erbe von Noomis und Ruths Mann lösen und Ruth zur Frau nehmen werde.

Gott sitzt im Regiment! Noomi muss nun im Alter nicht hungern und Ruth bekommt noch einmal einen Mann , mit dem sie das Leben teilen kann und durch den ihr Lebensunterhalt gesichert ist.

Übers Jahr bringt Ruth einen Sohn zur Welt. Er bekommt den Namen Obed. Noomi ist stolze Großmutter. Sie hat wieder eine richtige Familie. Im richtigen Moment hat sie das  Entscheidende erkannt und getan und hat der jungen Frau das Richtige geraten. Im richtigen Moment hat sie Gottes Fingerzeig gespürt und ist ihm gefolgt.

Ich wünsche uns auch, dass wir geistesgegenwärtig den rechten Zeitpunkt für das rechte Tun erkennen und ihn ergreifen. Ich wünsche uns im richtigen Moment die Beherztheit, die es braucht, um weiter zu kommen, damit wir im Rückblick dann auch einmal sagen dürfen: Gott sitzt im Regiment und hat es gut mit uns gemacht.  AMEN

 

Die Situation beschreiben:

 

Morgen treffen sich im Rathaus mit unserem Bürgermeister  Vertreter des UPM-Konzerns, des Betriebsrates der Papierfabrik und Vertreter der Gewerkschaft, sowie  der Landrat, die Abgeordneten des Wahlkreises,  sowie der  Regierungsvizepräsident, der Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg und der Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer. Alle gemeinsam wollen versuchen, eine Lösung und einen Weg in die Zukunft zu bahnen. Dass das gelingt, dafür wollen wir mit unseren Gebeten vor Gott treten und ihn um seine Hilfe bitten.

 

Fürbitten

Herr,

wir sind froh, dass Du zu uns stehst, egal, was kommt. Dafür danken wir Dir. Aber wir geben zu: Es ist uns Angst um unsere Zukunft. Noch weiß niemand, ob der Standort Albbruck erhalten bleiben wird.

1. Wir bitten dich für alle, die morgen am runden Tisch sitzen werden: Gib ihnen offene Ohren füreinander!

Alle: Herr, erbarme dich!

2. Wir bitten dich: Lass alle ehrlich zueinander sein, einander nichts vormachen, einander nicht nur hinhalten.

Alle: Herr, erbarme dich!

3. Lass sie sich nicht auf Gesetze und Vorschriften berufen, oder darauf, dass sie nicht befugt seien zu entscheiden, sondern lass alle gemeinsam Verantwortung übernehmen und tragen.

Alle: Herr, erbarme dich!

4. Lass alle miteinander auf das Wohl der Beschäftigten bedacht sein.

Alle: Herr, erbarme dich!

5. Dass nicht die Gewinnmaximierung das oberste Ziel sei, sondern das Leben derer, die hier arbeiten, das bitten wir dich!

Alle: Herr, erbarme dich!

6. Wir beten darum, Herr, dass du allen am Gespräch Beteiligten Phantasie schenkst, damit sie weiterführende und gute Lösungen finden. Und gib allen den Willen, dass sie solche finden wollen!

Alle: Herr, erbarme dich!

7. Gott, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist  für die Menschen am Runden Tisch, der ein Geist der Liebe ist, des einander Verstehens und Annehmens, ein Geist des Trostes und der Wahrheit, ein Geist der Verwirrtes zurecht bringt und alles ins rechte Licht rückt, ein Geist, der auch das Undenkbare denken hilft und neue Wege zeigen kann. Um diesen guten Geist flehen wir zu Dir für alle, die morgen am runden Tisch sitzen werden.

Alle: Herr, erbarme dich!

Jetzt möge jeder und jede seine eigenen  Anliegen in der Stille vor Gott tragen!

 

STILLE

 

 

Wir fassen einander an den Händen und beten gemeinsam das Gebet Jesu, das Gebet der Hoffnung!

 

 

Vater unser….

 

 

Lied: 171,1-4

Segen

 

Lied: Jesus Christus ist der Sieger

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus. Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

jetzt kennt Ihr Erwachsenen erst die halbe Geschichte Gottes mit Jona. Da saß der Jona nun am Strand, dort hingespuckt von dem großen Fisch, den Gott ihm zur Rettung geschickt hat. Aber die Geschichte geht natürlich noch weiter! Und ich will euch erzählen, wie es ausgegangen ist mit Jona!

Kaum hatte der Jona wieder Luft zum Atmen, da sagte Gott noch einmal zu ihm: „ Jona! Steh auf! Geh nach Ninive!“ Und Jona gehorchte. Riesengroß war die Stadt! Drei ganze Tage dauerte es, wenn man von einem Ende zum anderen gehen wollte. Jona wagte sich hinein. Er dachte, wenn Gott mich aus einem Sturm retten kann, dann kann er mich auch heil durch diese Stadt bringen! Aber was sah er nicht alles in dieser gottlosen Stadt! Die Menschen überfielen die Schwächeren und raubten sie aus. Sie schlugen aufeinander ein. Es gab Tote und Verletzte. Keinen kümmerte das. Jona packte die Wut, als er das alles sah. Und plötzlich wusste Jona, was er diesen Menschen von Gott sagen sollte. Er stellte sich auf den Marktplatz und rief laut:“ So spricht der Herr: Es sind noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen!“ Da horchten die Menschen auf. Sie blieben stehen. Sie wurden blass. Sie schauten einander entsetzt an. Immer mehr Menschen kamen und hörten, was der Jona rief. Erschrocken fragten sie: „Was sollen wir jetzt machen? Wir haben Gott beleidigt. Wir wollen zu ihm beten und uns ändern!“ So riefen sie durcheinander. Als das der König in seinem Palast hörte, nahm er seine Krone ab und zog seinen Königsmantel aus. Ein Trauerkleid zog er an und befahl: Lasst euer Streiten, Schlagen, Stehlen und Morden! Betet zu Gott! Vielleicht verzeiht er uns noch." Und alle Menschen in Ninive beteten zu Gott, die Männer, die Frauen und die Kinder. Und sie baten Gott: Herr, vergib uns! Und sie hörten auf mit Stehlen und Morden und Lügen. Als Gott das sah, da tat es ihm leid um die Menschen in Ninive, und er beschloss: Ich will die Stadt nicht zerstören.

Jona aber baute sich draußen vor der Stadt eine Hütte. Dort setzte er sich hin und wartete darauf, dass Gott die Stadt zerstören würde. Endlich sollten die Menschen ihre gerechte Strafe bekommen. Aber es geschah nichts. Nicht am 40. Tag und auch nicht am 41. Tag. Ninive stand immer noch da stolz und prächtig wie eh und je.

Da packte den Jona der Zorn und er fing an mit Gott zu streiten und sagte: Siehst Du Gott, das habe ich mir gleich gedacht, als ich noch daheim war. Darum wollte ich auch gar nicht nach Ninive gehen. Ich wusste doch, dass du gnädig, barmherzig und geduldig bist und dass du Menschen immer retten willst. Aber mich macht es zornig, dass Du mich predigen schickst, in 40 Tagen soll eure Stadt untergehen und dann lässt du sie stehen! Jona ist so ärgerlich, dass er am liebsten tot sein will.

Plötzlich sah Jona eine Pflanze, die sich an seiner Hütte hochrankte. Ihre Blätter reichten schon über das Dach und gaben Jona Schatten. Jona staunte. Er hatte gar nicht gemerkt, wie sie gewachsen war. Jona freute sich an der großen Pflanze. Aber ganz früh am nächsten Morgen schickte Gott ein kleines giftiges Würmchen, das stach die Pflanze und bis Jona aufwachte, waren alle Blätter welk. Da war Jona wieder so ärgerlich, dass er am liebsten tot sein wollte.

Gott fragte den Jona: Meinst Du, dass Du zu recht so ärgerlich bist wegen der Pflanze, die du nicht gesät und nicht begossen hast? Dir ist es leid um die Pflanze, weil sie verdorrt ist? Aber um die Menschen in Ninive ist es dir nicht leid? Kannst Du etwa ruhig zusehen, wie sie sterben? Ich kann das nicht. Ich habe sie geschaffen, jede und jeden von ihnen.

Da hört die Geschichte von Jona auf und der Erzähler lässt uns allein. Den Schluss sollen wir uns selber ausdenken. Wie wird der Jona wohl reagiert haben auf das, was Gott ihm da gesagt hat?

Ist er ärgerlich geblieben über die Güte Gottes? Oder hat er vielleicht bei sich gedacht, wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen – im Grunde doch zuallererst mit mir!

Die Geschichte von Jona, ist eine Geschichte von Gottes unendlicher Liebe zu seinen Menschen, nicht nur zu seinem eigenen Volk Israel, sondern sogar auch zu dessen Feinden. Ninive war die Hauptstadt der Assyrer, eines geschichtlichen Erzfeindes Israels. Die Botschaft des Jonabuches, dass Gott diese Stadt durch Jona retten wollte, die muss ungeheuerlich gewesen sein für manche Kreise damals in der jüdischen Gemeinde.

Aber es strahlt da eine Weite des Denkens über Gott zu uns herüber, die auch uns heute weiterbringen kann, in unserem Denken über das Miteinander von Christen und Nichtchristen zum Beispiel. Wir Christen haben Gott nicht gepachtet. Er ist der Schöpfer und Herr aller Menschen, gleich welcher Hautfarbe oder Religion sie sind. Er ist der Herr von Juden, Christen und Muslimen, von Buddhisten und Hinduisten, und er ist der Schöpfer und Herr auch all der Menschen, die nicht an ihn glauben. Und ich bin überzeugt, dass er ein friedliches, tolerantes Miteinander von uns haben will. Gott will doch, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, zur Erkenntnis Gottes selbst. Die Geschichte von Jona bringt mich zu dieser Überzeugung. Da sind zuerst die Matrosen auf dem Schiff, mit dem Jona von Jafo nach Tarsis fährt. Die beten im Sturm ein jeder zu seinem Gott. Das setzt voraus, dass sie aus aller Herren Länder stammten und alle zu verschiedenen Göttern ihre Zuflucht nahmen. Und diese Menschen erfahren von Jona, dass sein Gott, derjenige ist, der den Himmel und die Erde und das tobende Meer geschaffen hat und dem ein einziger Mensch so wichtig ist, dass er seinetwegen einen gewaltigen Sturm schickt, um denselben zur Einsicht zu bewegen. Zu welcher Einsicht denn? Gott sagt dem Jona: Schau mal, die Menschen in Ninive werden zugrunde gehen, wenn keiner bereit ist, ihnen zu sagen, dass sie Fehler machen, die Unfrieden und Elend bringen. Einer muss seinen Mund auftun und das Unrecht beim Namen nennen. Jona hat zunächst gedacht, die Leute von Ninive könnten ihm egal sein, das sei nicht sein Problem und außerdem hatte er Angst, sie könnten ihn töten. Gott bringt Jona schonend bei, erstens, dass er ihn schützen könne und zweitens, dass ihm seinerseits das Ergehen der Menschen von Ninive ganz und gar nicht egal sei.

Viele Menschen heute meinen, Gott interessiere sich nicht für seine Menschheit. Es sei ihm piepegal, was mit unserem kleinen Leben und mit der großen Weltgeschichte werde. Ja, er schaue einfach weg und deshalb brauche man sich auch für Gott gar nicht mehr interessieren, weil er keine Wirklichkeit sei, die für uns Bedeutung habe. Das Jonabuch erzählt anders von Gott und bekennt ihn als den EINEN, der sich leidenschaftlich für jeden Menschen interessiert. Und zwar gleichgültig, welche Religion dieser Mensch hat oder woher er kommt. Die Matrosen aus aller Herren Länder glauben nach dem Sturm ALLE an den Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, genauso wie der Jona. Gott schafft den Glauben in ihnen durch sein widerstrebendes Werkzeug, den Jona. Noch in seiner Verweigerung dem Auftrag Gottes gegenüber, finden ganz fremde Menschen zum Glauben an den Gott Israels.

Genauso geht es mit den Leuten von Ninive. Die hatten wahrhaftig mit dem Gott Israels nichts am Hut. Die gingen ohne Frömmigkeit durchs Leben. Denen fehlte nach ihrer Meinung nichts, bis Jona kam, der gar nicht predigen wollte und ihnen sagte: Ihr Leute, Gott findet euer Leben so schlimm, dass er nicht länger zuschauen will. 40 Tage habt ihr noch Zeit, um etwas zu ändern. Das wundersame ist, die Leute von Ninive hörten Jona zu und gaben ihm Recht. Sie ließen sich auf Gott ansprechen, den Gott, der jeden Menschen geschaffen hat, weswegen auch jeder Mensch eine Antenne für Gott hat. Tief in uns drinnen gibt es so etwas wie eine Hauskapelle. Da will Gott bei uns einziehen, wenn wir ihn reinlassen.

Genau das taten die Leute von Ninive. Der Jona hätte ihnen das wahrscheinlich gar nicht zugetraut. Aber Gott schon. Und Gott brauchte den Jona, der mit seinen Füßen dort hinlief und mit seiner Stimme Gottes Botschaft sprach.

Gott will sie nicht verloren gehen lassen, die Leute von Ninive, die taten, was ihnen gefiel und nicht nach Gott fragten. Gott dreht es den Magen um bei dem Gedanken, sein Gericht über sie vollziehen zu müssen. Und sein Rettungsakt gelingt. Menschen, die nichts von ihm wussten und hielten, hören sein Wort, kehren um und fangen an zu glauben.

So ein Jona ist Gold wert für Gott. Manchmal denke ich, wir, von der Kirche, bleiben schön unter uns und trauen uns auch nicht so recht nach Ninive, mitten unter die Menschen, die von Gott nichts wissen oder halten. Das Pflaster ist uns auch zu heiß. Unter uns, da ist es kuschliger. Aber möglicherweise ruft uns Gott nach Ninive und wir sind schon unterwegs nach Tarsis.

Den Jona hat Gott unermüdlich an seine Aufgabe gerufen. Offensichtlich wollte Gott unbedingt den Jona für die Predigt in Ninive. Und Jona hat es Gott nicht leicht gemacht. Eigentlich wundere ich mich, dass Gott dieses Geduldsspiel mitmacht. Zuerst muss er Jona auf seiner Fahrt nach Tarsis ausbremsen. Und dann, als Jona in seinem Rettungsfisch reif wird für seine Lebensaufgabe und endlich an Land gespuckt werden kann, da geht er zwar predigen, aber er trotzt wie ein dreijähriges Kind, als Gott Ninive dann gnädig ist und es nicht zerstört. Und er benimmt sich wie ein Kleinkind als Gott die Staude vertrocknen lässt. Ein Grund, das Leben wegzuwerfen ist das beides Mal für Jona. Und Gott macht das mit. Er legt Jona nicht übers Knie oder fängt an zu brüllen, wie wir menschlichen Eltern es dann manchmal tun, weil es so gar nicht zum Aushalten ist. Gott bleibt ganz geduldig und versucht, den Jona für sich zu gewinnen. Gott ist auch mit Jona barmherzig und gütig und geduldig über jedes Maß hinaus. Jona ist Gott unendlich wichtig.

Diese Geschichte ist eine Geschichte von der Güte und Barmherzigkeit Gottes mit jedem Menschen. Es ist eine Geschichte,die davon erzählt, wie Gott das Leben jedes einzelnen Menschen leitet und begleitet. Und seht ihr, wie der alte Spruch hier vortrefflich anschaulich gemacht wird? Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr lenkt seinen Schritt. Wäre es nach Jona gegangen, der wäre bei seinen Schafen sitzen geblieben, sein Leben lang. Aber dann hätte er nie erfahren, was für ein gewaltiger Prediger er eigentlich war und wie viel Geduld Gott mit ihm hat. Jona wusste längst nicht alles über Gott und seine Lebensauffassung konnte noch manche Korrekturen vertragen. Man kann das Leben nicht verweigern, ohne Schaden dabei zu nehmen. Besser einmal in der Tiefe gelandet, als niemals auf Höhenflug gewesen zu sein. Besser einmal alles gewagt zu haben, als niemals etwas bewegt zu haben. Jona lässt sich ins Meer werfen, er springt nicht selber. Aber das war schon mal der Beginn von etwas ganz Neuem. Er verbringt drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches. Danach ist er wie neu geboren aus dem Leib des Fisches, bereit zu tun, was er soll.

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg. Die Matrosen hatten sich ihre Fahrt auch ganz anders vorgestellt. Geschäfte machen sind sie losgefahren. Als Glaubende kommen sie heim. Sie haben kein Geld gemacht, denn die Ladung ist über Bord gegangen. Aber sie haben doch etwas gewonnen, den Glauben an den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat! Und die Menschen von Ninive, die wurden einfach nur beschenkt von Gott. Die hatten von Gott nie etwas erwartet, aber er lenkt sie direkt zu ihm hin durch den Jona.

Wenn ich so darüber nachdenke, wie ist das denn mit uns? Wo setzt Gott uns ein und unser Leben und unsere Arbeit, damit er mit uns und auch mit denen, die mit uns leben zu seinem Ziel kommt? Wie oft lässt er uns etwas tun, was andere weiterbringt, ohne dass wir es ahnen? Wie oft lässt er andere etwas tun, was uns weiterbringt? Das wäre sicher spannend, wenn wir Gott dabei zuschauen könnten. Aber viel besser ist es, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass er unseren Weg leitet und lenkt, ohne dass wir das immer sehen und merken, aber doch so, dass wir da ankommen, wo er uns haben will. Der Jona musste dabei durch die Tiefe, durch die Angst. Das Wasser schlug über ihm zusammen. Ja,- auch das mag zu Gottes Wegen mit uns gehören. Wenn wir nur glauben dürfen, dass Gott uns nicht aus seinem Blick und aus seiner Hut verliert. Und das tut er sicher nicht, das bezeugt uns die Geschichte von Jona. Gott kümmert sich um jeden einzelnen von uns. Und wenn es auch in unserem Leben nicht immer so läuft, wie wir das gerne gehabt hätten, dann dürfen wir wissen. Es ist EINER, der lenkt unseren Schritt zum Guten für uns und für andere.

AMEN

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus. Amen

Text: Genesis 22,1-14

 

Liebe Gemeinde,

von der dunklen Seite Gottes erzählt dieser Predigttext. Er erzählt von Gott auf eine Art, wie wir ihn lieber gar nicht kennen lernen möchten. Er erzählt von einem Gott, der Menschen prüft und sie ins Feuer der Anfechtung schickt.

„Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham!“ Und schon an dieser Stelle, beim allerersten Satz der Geschichte sind sich die großen Theologen uneins.

Der christliche Pfarrer Dietrich  Bonhoeffer schreibt: Gott versucht niemand! Der jüdische Theologe Rosenzweig ist entgegengesetzter Meinung und sagt: Gott kann den Menschen nicht nicht versuchen.

Und führe uns  nicht in Versuchung! So beten wir jeden Sonntag mit dem Vater unser. Jesus scheint sehr klar damit zu rechnen, dass Gott Menschen versucht und ihren Glauben unter Belastungsproben stellt.

Doch diese Geschichte von Abraham stellt alles in den Schatten, was die Bibel uns sonst erzählt. Sie jagt uns einen kalten Schauer über den Rücken, und alles in uns schreit : NEIN! NEIN! Das kann Gott doch nicht wollen! So kann Gott doch nicht sein! So kann Gott doch nicht sein, dass er von Abraham eine solche Bluttat verlangt. Ich mag mir das auch gar nicht einmal vorstellen, Hand an das eigene Kind zu legen. Es ist schon schlimm genug, wenn ein Kind ums Leben kommt, wenn es krank wird und sterben muss. Aber es selber töten sollen? Gewiss, auch das gibt es auf Erden, daß Eltern sich an ihren Kindern vergehen, sie quälen, missbrauchen und töten. Aber normalerweise tut das kein Vater und keine Mutter.

Abrahams Sohn, Isaak, ist ein ganz besonderes Kind. An ihm hängt Gottes ganze Verheißung, die er  Abraham gab: Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und du sollst ein Segen sein! Und Abraham hat seine Heimat dafür verlassen auf Gottes Wort hin, hat endlich diesen einen Sohn bekommen nach vielen Irrwegen , Zweifeln und Tiefen. Nur diesen einen Sohn hat Abraham, aus dem das versprochene Volk werden soll. Und den soll er nun quasi an Gott zurückgeben? Was hat Gott denn davon? Was will er damit erreichen? Will er einen Menschen in blanke Verzweiflung stürzen? Will er das? Kann er das wollen? Muss Gott das denn wissen, ob wir ihm alles, alles lassen könnten, woran wir hängen und was wir lieben. Muss er denn wissen, ob ER selbst uns das Wichtigste ist? Braucht Gott das? Ist das nicht schon mehr als ein Mensch jemals geben kann?

Will Gott tatsächlich, wie manche Ausleger meinen, den Glauben von Abraham auf die Probe stellen und ihn also fragen: Vertraust Du mir so sehr, dass Du mir den Garanten für die Verheißung auch zurückgeben kannst und trotzdem glaubst, dass ich es gut mit Dir mache?

Ich denke an Eltern, deren Kind todkrank ist oder tödlich verunglückt ist. Wie bringt unser Glaube an den liebenden Gott den Tod eines Kindes und die Liebe Gottes zusammen? Das mag schon bitterschwer fallen an vielen, vielen Trauertagen, und vielleicht nie ganz zu überwinden sein. Aber nun stehen wir mit der Geschichte von Abraham an einem Abgrund, dessen Tiefe wir gar nicht ausloten können. Wir haben Mühe mit dieser Geschichte. Und den Kindern erzählen wir sie erst gar nicht. Sie steht auf keinem Lehrplan und in keinem Vorbereitungsheft für den Kindergottesdienst.

In unserer Vorstellung ist Gott der liebe Gott, der uns auf Händen trägt, damit wir unseren Fuß ja nicht an einen Stein stoßen. Wir denken uns Gott als den Gott, der uns alle Zeit behütet und beschützt. Aber – ist das denn so im Leben, dass wir immer behütet und bewahrt bleiben? Manchmal erschrecke ich, wenn die Kinder in der Grundschule von Gott nur zu sagen wissen: Er beschützt uns. Ist das alles, was wir ihnen von Gott erzählen sollten?

Wer von uns wurde denn sein ganzes Leben lang vor allem Bösen und jedem Leid bewahrt? Das Leben hier auf Erden ist kein Paradies, ist kein Zuckerschlecken. Nein, hier wird nicht nur gelebt, hier wird auch krankgeworden, hier wird gelitten, hier wird gestorben, manchmal schnell und unerwartet, manchmal schön langsam und auf Raten und mit der Angst über Jahre, wann der Tod denn dann kommen wird und mit der Hoffnung immer wieder, dass vielleicht doch nicht, und dann kommt er halt doch, der Krebstod, der elendigliche. Und bis dahin der Gang durch die Hölle, immer wieder. Hier auf Erden wird uns oft auch unser Liebstes genommen, die Frau, der Mann, das Kind. Viele von uns können sich in den Abraham hineindenken. Viele wissen, wie das ist, wenn man Angst haben muss vor dem Verlust eines geliebten Menschen, wie es ist, sich auch nur vorstellen zu sollen, ohne ihn zu leben.

Hätte da der Abraham bei diesem grausamen Befehl Gottes nicht laut schreien sollen und sagen: NEIN! DAS MACHE ICH NICHT! NUR ÜBER MEINE LEICHE!

Ich frage mich allen Ernstes, was in Abraham abgelaufen sein mag, dass er solch eine Aufforderung Gottes gehört hat. Dass er die Worte so gehört hat, ist wohl unbestritten, sonst wären sie uns nicht überliefert.

Aber ich frage mich trotzdem:

War das wirklich Gottes Stimme, die Abraham da gehört hat? Und wenn es Gottes Stimme war, genauso wie es dasteht, wie leben wir mit dieser Stimme? Wie halten wir das aus? Wie bestehen wir unsere eigenen Versuchungen?

Sie sind ja auch nicht von Pappe!

Das Herz mag einem stehen bleiben beim Lesen der Abrahamsgeschichte, aber oft nicht weniger in unserer eigenen Wirklichkeit.

Da steht plötzlich die Polizei vor dem Haus, mitten in der Nacht und ein Sohn ist seit zwei Stunden mit dem Auto überfällig. Und da brauchen die schon gar nichts mehr zu sagen. Da bricht in einer Mutter schon die ganze Welt zusammen, denn sie weiß, was jetzt kommt. Ihr Sohn ist tot. Völlig unnötig tot, ums Leben gebracht auf der Straße. Unwiederbringlich verloren.

Aber Gott wollte das nicht. Niemals! Es hat dem Herrn unserem Gott gar nicht gefallen, Gustav.E. Lips aus diesem Leben abzuberufen, denn er war seiner Frau ein zärtlicher Ehemann, seinen Kindern ein guter Vater, seinen Eltern ein geliebter Sohn… so dichtet der Dichterpfarrer Kurt Marti. Nein, Gott war es nicht. Oder doch! Wer ist dafür verantwortlich? Das Leben selbst? Ein blindes Schicksal? Der Zufall? Wer? Einer, der keinen Gott glaubt, wird sagen: Pech gehabt. Das Leben ist eben kein Zuckerschlecken. Ein glaubender Mensch wird das mit seinem Gott ausmachen müssen. Und er wird klagen:

O, Gott, warum hast Du nicht auf ihn aufgepasst? Du hättest doch die Macht gehabt! Du hättest es verhindern können! Warum hast du es denn nur nicht getan!

Und da ist der Mann, der seine Frau verloren hat, einfach so, von jetzt auf nachher. Und das ganze Leben sieht plötzlich anders aus, abgebrochen, halb nur noch und alles zerfließt in Tränen und nichts ist mehr wie es vorher war. Und einer bekommt die Diagnose Krebs. Und in all diesen Fällen, die Menschen in den Ausnahmezustand versetzen, kann es sein, dass sie Gott nicht mehr hören können, dass Gott ihnen schweigt. Da ist kein Licht mehr. Da gibt es keinen Boden mehr. Da ist keine Hilfe. Der Glaube trägt dann oft nicht mehr. Und das Gebet scheint gegen taube Ohren zu rennen. Die Fragen quälen:

Gott macht uns nicht krank, oder? Er ist doch der liebe Gott. Woher die Krankheit? Versuche zu antworten bleiben kläglich: Das ist halt der Lauf der Welt. So spielt die Biologie. Ihr Immunsystem war im entscheidenden Moment nicht stark genug! Die Krebszelle ist ihm entwischt, der Tumor ist gewachsen. Der Tod rückt näher. Gott, wo bist Du jetzt? Kümmert es dich wenigstens? Hast Du Trost für mich? Oder sagst Du zu mir: Bring mir dein Liebstes, dein Leben zum Branddopfer dar in Chemotherapien und in der Bestrahlungskammer. Was denken wir Menschen uns aus, wenn wir im Ausnahmezustand sind?

Gott hat plötzlich ein uns fremdes Gesicht. Es ist, als würde er seiner eigenen Liebe widersprechen, uns fallen lassen und alles von uns nehmen, was uns jemals glücklich gemacht hat.

Ich möchte laut schreien und rufen. NEIN, SO IST GOTT NICHT! Nein, Gott ist nicht so, aber wir erleben ihn so. Das ist leider wahr und die Bibel erzählt uns da keinen Ausrutscher, wenn sie uns diese Geschichte von Abraham erzählt. Sie erzählt davon, dass einer in eine absolute Gottverlassenheit geraten kann, in der ihm das Leben so dunkel wird, dass er es lieber hergeben würde, als weiterzuleben. Menschen erleben Gott in ihrem Leben manchmal so dunkel und feindlich. Und es ist Gottes Gnade, wenn das Dunkel von unserer Seele wieder weggenommen wird.

Das eine meine ich gelernt zu haben in meinem Leben. Wenn mir die Umstände feindlich kommen, ist nicht Gott mein Feind. Jedoch: Seine Zuwendung wird angesichts einer maßlosen Überforderung des Lebens fraglich. Es können Tage kommen, da Gott für unser Gefühl uns eiskalt schweigt und wir mit uns und unserem Leid alleine dastehen. Auch für uns kann Gott in unserem Ausnahmezustand zur unkenntlichen Macht werden. Verlassener kann kein Mensch sein, als dann.

Ich schaue zurück auf Abraham auf dem Berg Morija. Er, der für Gott alles verlassen hat, er besteigt diesen Berg von Gott verlassen. Beinahe wäre dort alles zu Ende gewesen, ein ganzes Leben, Glauben, Lieben und Hoffen. Einzig die tief und fest gespeicherte Erfahrung, dass Gott ihm gut war, die lässt ihn glauben: Gott wird sich ein Schaf ersehen zum Brandopfer!

Im Augenblick glaubt er das selber nicht, aber ganz tief innen doch noch immer. Und so geschieht es. Gott ersieht sich den Widder, der im Gebüsch hängt. Isaak soll leben.

Aber gewiss war Abrahams Glaube nach diesem Berggipfel nicht mehr derselbe wie vorher. In den Grundfesten erschüttert, dem Boden näher, vorsichtig mit allen vollmundigen Aussagen, demütig: Ich glaube, hilf meinem Unglauben!

Abrahams Glaube ist aus den Kinderschuhen heraus. Ja, ebenbürtiger dem gewaltigen Gegenüber Gott. Ein Gegenüber, das Gott sich so wünscht? Durchs Feuer gegangen, geprüft und gewogen und als schwer genug befunden.

Und wir? Für uns hängt kein Widder im Gebüsch oder doch? Doch, da hängt er am Kreuz, der Christus. Für uns, damit wir wüssten: Nicht Du gehst Gott verloren und er nicht Dir! Christus gibt sich verloren, damit Deine Verlorenheit im Ernstfall geborgen ist in Gottes Händen. Da hängt er, der EINE, um dessen willen wir alle hier sitzen und an Gott festhalten und nicht sagen: Es gibt keinen Gott. Um dessen willen wir alles ertragen , und der uns durch alles trägt, selbst wenn wir es dann einmal auch nicht mehr spüren können. Gott ersieht sich ein Schaf, das unsere weglosen Dunkelheiten mit uns durchschreitet, das unsere Verzweiflung aushalten kann mit seiner Liebe und uns der Liebe Gottes gewiss macht. CHRISTUS hat die gnadenlose Gottesfinsternis für uns durchschritten. Wir müssen nicht alleine durch, auch wenn wir für unser Gefühl mutterseelenalleine durchgehen.

Abraham nennt diesen Gipfel später: Der Herr sieht!

Ja, Gott sieht uns auch dann an, wenn wir nichts mehr von ihm sehen. Unter seinen Augen geschieht alles, was geschieht. Manchmal wünschte ich mir dann, er gäbe mir ein Zeichen oder ein kleines Trostwort. Aber er zeigt mir immer nur das Kreuz. Das ist genug. Sieh und geh und tue, was nötig und geboten ist!

Du brauchst kein anderes Zeichen und kein anderes Wort.

 

AMEN

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