Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 02. Februar 2020 In Predigten 0 Comment

Predigt zur Offenbarung 1,9-18 am 02. Februar 2020

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus! Amen

Text: Offenbarung 1,9-18

Liebe Gemeinde,

heute am letzten Sonntag nach dem Erscheinungsfest ist uns ein Predigttext gegeben aus dem Buch der Offenbarung des Johannes.

Von einer Erscheinung Jesu Christis wird da berichtet. Johannes hört zuerst die Stimme Jesu. Danach sieht er die Gestalt des auferstandenen Jesus in Kraft und Herrlichkeit. Diese Erscheinung ist so gewaltig, dass Johannes wie tot zu Boden fällt.

Aber warum ist Johannes mutterseelenalleine auf der Insel Patmos?

Johannes, ein Christ aus Kleinasien, ein urchristlicher Prophet, schreibt das Buch der Offenbarung auf der griechischen Insel Patmos. Dorthin ist er verbannt worden, weil er eben Christ war und die Botschaft von der Auferstehung Jesus gepredigt hat. Johannes schrieb sein Buch zur Zeit, als der römische Kaiser Domitian regierte. Das ist die Zeit von 81 – 96 nach Christus. Schon vorher waren Christen wegen ihres Glaubens getötet worden. Aber jetzt stehen neue Leiden und ein schwerer Konflikt mit den staatlichen Behörden bevor, denn Kaiser Domitian fordert von seinen Untertanen, dass sie ihn als Gott verehren sollen. Das ist für die Christen ein absolutes NO-GO. Für diese Auseinandersetzung auf Leben und Tod versucht der Seher Johannes die kleinasiatischen Gemeinden zu stärken. Sieben davon werden aufgezählt und der Seher nennt ihre Stärken und Schwächen und gibt Rat, was sie besser machen können, um stark zu werden für das, was kommt.

Wir hören die Botschaft des Sehers Johannes am letzten Sonntag nach dem Erscheinungsfest. Erschienen ist an Weihnachten der Sohn Gottes, Jesus Christus, als ein kleines Menschenkind aus Fleisch und Blut! Erschienen ist er aller Welt, nicht nur dem eigenen Volk, sondern es kamen die Weisen aus dem fernen Osten, um ihm zu huldigen, als dem Weltherrscher, dem mächtigsten König aller Zeiten und der Ewigkeiten. Und heute beschließen wir die Weihnachtszeit mit der Erscheinung des von den Toten auferweckten Jesus Christus auf der Insel Patmos vor dem Seher Johannes.

Nun könntet ihr sagen: Was geht uns das an. Wen interessiert denn so was. Das liest sich wie ein Sprechblasen-Heft von einem Superhelden. „Aber Nein!“, sage ich. Es liest sich vielmehr wie eine Gottesbegegnung aus dem Alten Testament, z.B. die Berufung von Jesaja. Johannes steht auf dem Boden des Alten Testaments mit allem, was er an Bildern vor unsere Augen malt. Und er malt nicht nur Bilder. Er hat eine eindeutige Botschaft!

Lasst uns die jetzt entdecken!

Wir sehen die Gestalt Jesu. Er ist gekleidet wie ein Herrscher, besser noch als der Kaiser von Rom und er trägt den Hohepriestergürtel. Sein Haar ist weiß. Weiß ist die Farbe der göttlichen Majestät und des Sieges, aber auch die Farbe der Märtyrer, die für Gottes Sache ihr Leben lassen. Die flammenden Augen kennzeichnen den Richter. Die Augen durchschauen alles. Das zweischneidige Schwert aus seinem Mund deutet an, was bei Jesaja schon angekündigt wird: Der Friedefürst und Gottesknecht hält Gericht durch sein Wort, aber nicht mit dem Schwert. Die goldenen Füße stellen die ganze Gestalt als übermächtig dar.

Der Seher Johannes sieht Jesus in seiner ganzen Kraft und Herrlichkeit da stehen bei sich auf der Insel Patmos. Und er sieht um Jesus herum sieben goldene Leuchter, genauso golden wie der Gürtel von Jesus. Und er erkennt, dass das die Gemeinden von Jesus sind. Sie leuchten! Und er steht mitten unter ihnen. Er ist da, ganz nah! Sie gehören zu ihm und er gehört zu ihnen. Und er hat sieben Sterne in der Hand. Das sind die 7 Engel der Gemeinden. Sie können Botschaften des Auferstanden zu seinen Gemeinden tragen. Und Johannes soll später die Botschaften für die Engel aufschreiben. Aber jetzt fürs Erste teilt Jesus ihm selber mit, welche Aufgabe er hat: „Schreibe, was Du gesehen hast und was ist und was künftig geschehen soll.“

Aber Johannes ist erst einmal in Ohnmacht gefallen beim Anblick des Auferstandenen und seiner Lichtherrlichkeit. Wer kann das ertragen, das Heilige mit irdischen Augen anzusehen? Jesus muss den Johannes erst wieder auf die Beine stellen, bevor der wieder etwas hören, sehen oder aufschreiben kann.

Und da wird tatsächlich berichtet. Jesus legte seine rechte Hand auf Johannes und sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht!“

Das ist der Gruß des Auferstandenen, so wie wir ihn aus vielen Ostergeschichten kennen. Fürchte dich nicht!

Jesus, der das Leiden und Sterben hinter sich und bestanden hat, der kann mit Fug und Recht sagen: Fürchte dich nicht, vor gar nichts, auch nicht vor dem Tod! Denn siehe, ich war tot und ich lebe! Und da weckt er in uns die Ahnung und die Hoffnung, dass der Tod und das Leiden nicht das Letzte ist, was einem Menschen geschieht.

Die Christen damals, die waren ganz bestimmt in Sorge vor dem, was ihnen zu leiden bevorstand, wenn sie nicht mitmachten beim Kaiserkult. Und es war eine Entscheidung auf Leben und Tod, dem Kaiser die göttliche Verehrung zu verweigern. Man konnte sich da gewiss zu Recht fürchten.

Und dann hier diese gewaltige Botschaft:

Fürchte dich nicht! Ich, Jesus, bin der Erste und der Letzte und der Lebendige! Ich war tot und sieh! – ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel zu Tod und Hölle.

Jesus ist stärker als der Kaiser. Er ist stärker als der Tod und die Hölle. Er ist keiner, der euch bedrückt und niederknechtet. Er ist vielmehr einer, der euch aufrichtet und stärkt. Er ist der Este der Weltgeschichte, denn er war bei der Schöpfung dabei und er wird der Letzte der Weltgeschichte sein. Er wird sie seinem Vater zur Vollendendung übergeben. Dann wird Gott alles in allem sein, oder anders gesagt, dann wird Gottes Gegenwart alles erfüllen. Dann ist Friede! (1.Kor. 15,28)

Liebe Gemeinde,

wir heute haben andere Probleme als die Christen damals. Uns hier in Deutschland trachtet keiner nach dem Leben, weil wir Christen sind. Vielmehr ist der Zeitgeist ein Problem, nicht nur für Christen. Der neue Gott, dem gehuldigt wird, heißt: Selbstoptimierung. Du bist selber schuld, wenn Du einen Herzinfarkt erleidest, hättest Du dich anständig ernährt und bewegt und hättest Du mal weniger Stress gemacht! Du bist selber schuld, wenn deine Karriere nicht so klappt, wie es wünschenswert wäre. Aber denkt jemand daran, dass es auch von denen abhängt, die dich nicht einstellen wollten, weil ihnen schlicht deine Nase nicht gepasst hat oder weil unter der Hand die Stelle schon versprochen war? Denkt jemand daran, dass für die allermeisten Krankheiten niemand selbst verantwortlich ist?

Und viele bei uns leiden am Problem der Einsamkeit und der Isolierung. Wer keine Familie hat, ist oft gnadenlos allein und der Einsamkeit ausgeliefert wie Johannes auf seiner Insel Patmos. Die Vereinzelung bei uns nimmt immer mehr zu, besonders unter den Alten, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Und schon Schulkinder sind oft einsam mitten in der Klasse, wenn die nötigen Freunde fehlen, weil sie nicht so sind, wie man zu sein hat, weil man andere Kleider trägt oder sich anders benimmt als es erwartet wird.

Das Leben bietet immer genug Möglichkeiten, sich vor ihm zu fürchten, vom Anfang bis zum Schluss. Und die Frage ist, wie man als Mensch mit seinen Ängsten klarkommt. Wenn es zu viele werden, dann wird das Leben zu schwer und man wird unglücklich.

Albert Einstein hat einmal gesagt: „Die wichtigste Entscheidung, die wir treffen ist, ob wir glauben, in einem freundlichen oder einem feindlichen Universum zu leben.“

Wer an Gott glaubt, hat die Entscheidung getroffen, in einem freundlichen Universum zu leben, weil Gott es geschaffen hat und mich dort haben will, mitten drin. Dann wird er, so meine Annahme, doch auch für mich sorgen, wie er für alle Geschöpfe sorgt. Die Frage bleibt uns trotzdem immer: Warum Naturkatastrophen wie jetzt wieder das Erdbeben in der Türkei. Das ist doch feindliches Universum, oder nicht?

Wer an Gott glaubt, glaubt auch, dass er es gut mit mir meint, auch dann, wenn es ans vorzeitige Sterben geht. Die Frage des Warum, die bleibt offen bis zur Ewigkeit.

Aber dann solch ein Wort für sich in Anspruch nehmen, dass der Auferstandene da spricht: Fürchte dich nicht! Ich, Jesus, bin der Erste und der Letzte und der Lebendige! Ich war tot und sieh! – ich lebe von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel zu Tod und Hölle.

Das für mich persönlich glauben und hoffen, dass Jesus mich nicht mir selber überlässt, nicht von mit erwartet, dass ich die Krankheit, die mich gerade umbringt, hätte vermeiden können, sondern dass er mir eher seinen Engel schickt, der mich stützt und stärkt, damit ich durchkomme.

Und wenn ich nicht durchkommen sollte, dass er mir dann verspricht: Schau, ich habe die Schlüssel zum Tod. Ich hole dich da wieder raus. Dort ist nicht deine Endstation, sondern du kommst am Ende bei mir an. Ich lebe und du wirst auch leben!

So steh Jesus auch noch heute als der Auferstandene mitten unter seinen Gemeinden, seinen Christen und hilf ihnen zu leuchten. Bei ihm ist genug Licht und Herrlichkeit für alle und aus seiner Nähe heraus können wir der Welt heimleuchten und ihr sagen, dass der Klimawandel nicht das Ende der Welt ist, sondern etwas, was wir nun mit Köpfen und Gottvertrauen angehen sollen, dass wir von Geburt an Gottes geliebte Menschenkinder sind und fröhlich leben dürfen und nicht unter Selbstoptimierungszwang. Ich muss mich nicht jeden Tag wiegen und muss auch nicht Sklave meiner Körperwerte und meiner Ernährung werden. Aber liebhaben und mich freuen und andern das Leben schön und leichter machen, das darf ich nach Herzenslust und im Schweren mich darauf verlassen, dass mein Herr, Jesus Christus immer neben mir steht und mir leuchtet und mich aufrichtet, wenn ich nicht mehr kann. Darauf darf ich mich verlassen. AMEN

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  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

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