Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 15. Juli 2012 In Predigten 0 Comment

Predigt zur Konfirmandenvorstellung 2012 zur Apostelgeschichte 8, 26-39

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus!
Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

Heute freuen wir uns, dass die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden da sind.

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden!

Als Kinder seid ihr fast alle getauft worden und sollt nun über Monate hinweg Gelegenheit haben, euch miteinander über unseren Glauben auseinanderzusetzen. Stärken wollen wir euch in diesem Glauben und euch zu diesem Glauben ermutigen. Ihr sollt wissen, was euch in der Taufe geschenkt worden ist. Ihr sollt eure Straße fröhlich ziehen können, weil ihr euch an Gottes Hand wissen dürft und weil das Feuer der Liebe Gottes euch erfüllen und wärmen soll. Dass euch das immer wieder spürbar zuteil wird, das wünschen wir euch! Heute handelt unser Predigttext von einem, der auszog, Gott zu suchen und dann hat Gott ihn gefunden!

Am Ende war auch da ein Mensch von Gottes Liebe erfüllt und von der Sache Jesu begeistert war. Feuer und Flamme eben!

Was geschieht da eigentlich? Der Kämmerer sitzt da auf seinem Wagen und liest den Propheten Jesaja und versteht eigentlich nur Bahnhof, aber gleichzeitig geschieht ihm etwas Eigenartiges: Die Worte Jesajas ergreifen ihn so, dass er sich selbst getroffen fühlt, ja, dass er seine eigene Lebenserfahrung darin wiederfindet.

Da liest er doch von einem Menschen, der vergehen wird und der offensichtlich keine Kinder hat. Die wird er erst nach seinem Tod haben. Aber wie soll das denn gehen? Er selbst, der Finanzminister von Äthiopien wird auch niemals Kinder haben, denn er musste Eunuch werden, ein kastrierter Mann, ohne Frau und Familie. Wer einer Königin dient, der soll keinen unerwünschten Thronfolger zeugen können. Also wird auch er vergehen ohne Nachkommen, die seinen Namen erinnern werden, ohne etwas, das bleibt. Der Finanzminister leidet darunter. Er hat keine Zukunft außer dem Tod und so ist ihm auch die Gegenwart nicht viel wert, trotz Reichtums und Anerkennung und Spitzenjob. Was er braucht ist menschliche Wärme und Anerkennung und Liebe und irgendwo erwartet und gebraucht zu werden von Menschen, die ihm nahestehen, oder dass ein Gott wäre, der ihn beim Namen kennte und von ihm wissen wollte. Nach diesem Gott ist er auf der Suche, lange schon. Darum hat er sich dieses Jesajabuch gekauft. Das war gar nicht einfach und ohne Bestechung wäre es nicht gegangen. Manchmal war es gut, viel Geld zu haben. Manches konnte man sich damit schon kaufen, aber eben nicht das Leben, von dem er träumte, ein Leben, das Sinn machte und Freude. So ein Leben kannte er nicht. Er hatte nur sein Amt und seine Arbeit. Natürlich schätzte ihn die Königin, aber wer würde ihn schätzen, wenn er einmal alt und sein Kopf dumm geworden war? Da gab es wenig Hoffnung. Es würden keine Söhne und Töchter nach dem alten Vater fragen.

Komisch, da bei Jesaja, dieser Gottesknecht, der war gut dran, dem wollte Gott viele Nachkommen geben, nach seinem Tod wenigstens, wie auch immer das funktionieren sollte.

Vielleicht hatte er da etwas überlesen, er wollte nochmals von vorne beginnen, um vielleicht zu verstehen…. Und hoppla, das kam ja immer besser, da stand tatsächlich, Gott werde den Verschnittenen, den Eunuchen, die sich an ihn hielten einen ewigen Namen geben, was noch viel besser sei als Söhne und Töchter…einen Namen, der nicht vergehen soll. Könnte schon passieren, dass sein Name in der Chronik von Äthiopien aufgeschrieben stehen würde. Aber was würde ihm das bringen? Die Leere im Herzen würde dies nicht vertreiben! Und nochmals begann er zu lesen: Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird und wie ein Lamm verstummt vor seinem Scherer, so tut er seinen Mund nicht auf… weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben… Nein, wie sollte so etwas gehen, Licht und Fülle? In ihm war es nur öde…

Oder sollte diese Fülle auch für ihn möglich sein können?

Und während er las, begann Gott selber, sich um den Finanzminister zu mühen. Philippus bekommt von einem Engel Gottes den Auftrag: Geh hurtig auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt. Mehr sagt der Engel nicht, aber Philippus steht sofort auf und gehorcht. Einsam und öde ist diese Straße und Philippus hat sich möglicherweise gefragt, was er hier denn soll, zur Mittagszeit, wenn jedermann sich in den Schatten flüchtet. Und siehe da, gleich schon weiß er es. Ein vornehmer Afrikaner ist hier unterwegs in einem teuren Gefährt, alle Achtung, ein Porsche wärs gewesen für heutige Verhältnisse, gar nicht übel und die Pferde vom Edelsten. Aber, was ist denn das. Aus dem Wagen ertönt es Hebräisch und zwar die Worte des Propheten Jesaja. Der Afrikaner liest Hebräisch? Das muss ein sehr gebildeter Mann sein, denkt Philippus, und im selben Moment spürt er deutlich, dass er hier eine Aufgabe hat. Er folgt dem Wagen schnellen Schrittes. Und nun hört er, wie der Afrikaner liest, und wieder liest und immer wieder dasselbe liest.

Philippus fasst sich ein Herz und fragt: Verstehst Du auch, was du da liest? Nein, natürlich versteht er`s nicht, der Afrikaner! Aber bald schon weiß Philippus das ganze Leid dieses Lebens und seine ganze Hoffnungslosigkeit, so hoffnungslos wie die ganze öde Wüste um die beiden herum. Und die neuerliche Verletzung, dass der Schwarze in Jerusalem, wo er grade herkommt, nicht in den Tempel hinein durfte um zu beten, weil er doch ein Verschnittener sei, aber dann doch wenigstens die Schriftrolle kaufen konnte ,für ein Heidengeld, eine Rolle Hoffnung vielleicht, das Gotteswort…… müde hat er sich erzählt der Afrikaner und Philippus hat aufmerksam zugehört. Er spürt genau, was dem Mann fehlt. Für ihn ist das Leben öde und langweilig. Langweilig nicht in dem Sinne, dass ihm Unterhaltung fehlen würde, sondern langweilig in dem Sinn, dass er sich selber nicht mehr als positiv erleben kann, ein Zustand, der auch heute viele junge und alte Menschen erfasst. Philippus weiß, dass Gottes Heiliger Geist aus der Öde, aus der Wüste, aus der Sackgasse herausführen kann und will. Philippus weiß, dass es selbst dort noch Hoffnung gibt, wo schon das letzte Grashälmchen vertrocknet ist, denn Gott schafft Leben aus dem Nichts! Darauf vertraut Philippus jetzt als er seinen Mund auftut und anfängt, dem Afrikaner von Jesus zu erzählen. Und Philippus weiß ganz genau, was er diesem Menschen von Jesus sagen muss: Höre, du kannst zwar keine Kinder haben, aber wenn du dich taufen lässt auf den Namen Jesu, dann bekommst du eine riesengroße Familie von Menschen, die alle auch an Jesus glauben. So hat der Gekreuzigte viele Nachkommen bekommen, nach seinem Tod! Und da ist es ganz gleich, ob einer behindert ist, oder verschnitten, oder gesund, schwarz oder weiß oder gelb, oder reich oder arm, angesehen wie du oder ein armer Schlucker. Durch Jesus gehören wir alle als Brüder und Schwestern zusammen.

Neulich las ich in der Jubiläumsschrift der Evangelischen Kirchengemeinde Görwihl davon, wie nach dem Krieg die Flüchtlinge aus Ostpreußen in die Evangelische Gemeinde Görwihl kamen und heilfroh waren, dass sie da eine Gemeinschaft vorfanden, zu der sie durch die Taufe einfach dazugehörten, so fremd sie im Hotzenwald erst einmal waren. Der Glaube an Jesus verbindet uns miteinander und lässt Menschen zueinander gehören. Der Finanzminister damals, der hat das auch sofort begriffen. Bei Jesus ist eine Tür zu Gott, die wird mir nicht dadurch versperrt, dass ich körperlich beeinträchtigt bin. Aber noch eins will der Finanzminister wissen: Was hat es auf sich mit der Schlachtung, mit dem von der Erde weggenommen werden? Was ist mit diesem Jesus passiert? Und Philippus erzählt ihm vom Weg Jesu ans Kreuz, von diesem einsamen, schrecklichen Weg und vom Ostermorgen. Und dann deutet Philippus dem Afrikaner die Geschichte. Was bedeutet sie für uns?

Jesus hat die Sünde der Vielen getragen und ist mitsamt dieser Sünde am Kreuz gestorben. Sie ist fortgetragen und ausgelöscht und wir können befreit vor Gott leben! So hat uns Jesus das Leben aufgeschlossen, frei vom ewigen schlechten Gewissen und allen dummen Folgen, die es mit sich bringt: Immer neues Leid, weil ich dem andern nicht frei und offen begegnen kann. Das ist vorbei. Ich darf mein Böses Jesus zur Vernichtung übergeben. Auch meine erlittenen Verletzungen darf ich ihm lassen. Er kann auch davon befreien und mich heilen. Das kann er, weil er auferstanden ist und lebt! Und weil er lebt, werde auch ich nicht im Tod bleiben. Der Tod ist nicht das Ende. Wir dürfen ein Leben danach erwarten. Gott kennt uns beim Namen. Wir sind in seinen Händen verzeichnet. Wir sind ihm wert und wichtig. Bei unserer Taufe ist das über uns ausgesprochen worden und ist es uns mit Wasser, das Leben schafft, bezeugt worden. Keiner von uns ist Gott gleichgültig, keiner ist für ihn ein unbeschriebenes Blatt. Auch für uns würde Gott einen Engel oder einen Philippus schicken, um uns aus der inneren Öde herauszuholen, wenn wir es einmal bräuchten. Wir sind durch die Taufe Gottes Söhne und Töchter. Ein guter Vater vergisst seine Kinder niemals. Jesus hat uns Gott als solch einen guten Vater bezeugt, und wir glauben, dass es wahr ist! Der Finanzminister hat es Philippus auch geglaubt. Und er bat ihn: Schau, hier ist Wasser, was hindert noch, dass ich mich taufen lasse?

Habt ihr das gemerkt? Auf der öden, wüstenstaubigen Straße gibt es plötzlich ein Wasser, Taufwasser! Frisches Grün um die Wasserstelle… Hoffnung ist ausgesät und aufgegangen im Herzen des Finanzministers. Er lässt sich taufen und er findet Gott dabei und Freude zieht in sein Herz ein. Freude ist ein Zeichen, dass man dem Licht nahe ist. Von jetzt auf nachher zieht Begeisterung für Jesus in das Herz des Afrikaners ein.

Und als er seine Freude mit Philippus teilen will, da ist der wie vom Erdboden verschwunden. Aber das macht den Afrikaner nicht traurig, sondern erst recht fröhlich, denn jetzt weiß er ganz bestimmt, dass hier himmlische Mächte am Werk sind, in seinem ganz persönlichen Leben. Das ist ganz wunderbar, dass jeder von uns Gott so wichtig ist, dass er Menschen für uns in Bewegung setzt, damit wir Hilfe finden.

Der Afrikaner hat es hier wirklich mit der Kraft Gottes zu tun bekommen. Was er schon nicht mehr für möglich gehalten hatte, das ist ihm geschehen! Er ist froh geworden. Gott hat ihn gefunden, auf der Straße nach Gaza! Es sieht ganz so aus, als wäre Gott auch in den Einöden unterwegs, durch die wir im Leben zu manchen Zeiten durchmüssen. Das kann uns auch nach der Taufe noch passieren, dass wir in eine Einöde geraten, aber es kann uns ganz gewiss nicht mehr passieren, dass wir ohne Gott im Leben unterwegs sind. Wir sind und bleiben sein, und er findet uns, ganz gleich wo wir uns aufhalten, innerlich oder äußerlich. Gott verliert uns nicht aus seinem liebenden Blick.

 

AMEN

 
Gelesen 5468 mal Letzte Änderung am Samstag, 15 September 2012 22:23
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

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