Predigten

    Heidrun Moser
geschrieben von On 31. Juli 2011 In Predigten 0 Comment

Predigt zum Abschluss der Kinderbibelwoche 2011 zu Jona

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott unserem Vater und von unserem Herrn, Jesus Christus. Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

jetzt kennt Ihr Erwachsenen erst die halbe Geschichte Gottes mit Jona. Da saß der Jona nun am Strand, dort hingespuckt von dem großen Fisch, den Gott ihm zur Rettung geschickt hat. Aber die Geschichte geht natürlich noch weiter! Und ich will euch erzählen, wie es ausgegangen ist mit Jona!

Kaum hatte der Jona wieder Luft zum Atmen, da sagte Gott noch einmal zu ihm: „ Jona! Steh auf! Geh nach Ninive!“ Und Jona gehorchte. Riesengroß war die Stadt! Drei ganze Tage dauerte es, wenn man von einem Ende zum anderen gehen wollte. Jona wagte sich hinein. Er dachte, wenn Gott mich aus einem Sturm retten kann, dann kann er mich auch heil durch diese Stadt bringen! Aber was sah er nicht alles in dieser gottlosen Stadt! Die Menschen überfielen die Schwächeren und raubten sie aus. Sie schlugen aufeinander ein. Es gab Tote und Verletzte. Keinen kümmerte das. Jona packte die Wut, als er das alles sah. Und plötzlich wusste Jona, was er diesen Menschen von Gott sagen sollte. Er stellte sich auf den Marktplatz und rief laut:“ So spricht der Herr: Es sind noch 40 Tage, dann wird Ninive untergehen!“ Da horchten die Menschen auf. Sie blieben stehen. Sie wurden blass. Sie schauten einander entsetzt an. Immer mehr Menschen kamen und hörten, was der Jona rief. Erschrocken fragten sie: „Was sollen wir jetzt machen? Wir haben Gott beleidigt. Wir wollen zu ihm beten und uns ändern!“ So riefen sie durcheinander. Als das der König in seinem Palast hörte, nahm er seine Krone ab und zog seinen Königsmantel aus. Ein Trauerkleid zog er an und befahl: Lasst euer Streiten, Schlagen, Stehlen und Morden! Betet zu Gott! Vielleicht verzeiht er uns noch." Und alle Menschen in Ninive beteten zu Gott, die Männer, die Frauen und die Kinder. Und sie baten Gott: Herr, vergib uns! Und sie hörten auf mit Stehlen und Morden und Lügen. Als Gott das sah, da tat es ihm leid um die Menschen in Ninive, und er beschloss: Ich will die Stadt nicht zerstören.

Jona aber baute sich draußen vor der Stadt eine Hütte. Dort setzte er sich hin und wartete darauf, dass Gott die Stadt zerstören würde. Endlich sollten die Menschen ihre gerechte Strafe bekommen. Aber es geschah nichts. Nicht am 40. Tag und auch nicht am 41. Tag. Ninive stand immer noch da stolz und prächtig wie eh und je.

Da packte den Jona der Zorn und er fing an mit Gott zu streiten und sagte: Siehst Du Gott, das habe ich mir gleich gedacht, als ich noch daheim war. Darum wollte ich auch gar nicht nach Ninive gehen. Ich wusste doch, dass du gnädig, barmherzig und geduldig bist und dass du Menschen immer retten willst. Aber mich macht es zornig, dass Du mich predigen schickst, in 40 Tagen soll eure Stadt untergehen und dann lässt du sie stehen! Jona ist so ärgerlich, dass er am liebsten tot sein will.

Plötzlich sah Jona eine Pflanze, die sich an seiner Hütte hochrankte. Ihre Blätter reichten schon über das Dach und gaben Jona Schatten. Jona staunte. Er hatte gar nicht gemerkt, wie sie gewachsen war. Jona freute sich an der großen Pflanze. Aber ganz früh am nächsten Morgen schickte Gott ein kleines giftiges Würmchen, das stach die Pflanze und bis Jona aufwachte, waren alle Blätter welk. Da war Jona wieder so ärgerlich, dass er am liebsten tot sein wollte.

Gott fragte den Jona: Meinst Du, dass Du zu recht so ärgerlich bist wegen der Pflanze, die du nicht gesät und nicht begossen hast? Dir ist es leid um die Pflanze, weil sie verdorrt ist? Aber um die Menschen in Ninive ist es dir nicht leid? Kannst Du etwa ruhig zusehen, wie sie sterben? Ich kann das nicht. Ich habe sie geschaffen, jede und jeden von ihnen.

Da hört die Geschichte von Jona auf und der Erzähler lässt uns allein. Den Schluss sollen wir uns selber ausdenken. Wie wird der Jona wohl reagiert haben auf das, was Gott ihm da gesagt hat?

Ist er ärgerlich geblieben über die Güte Gottes? Oder hat er vielleicht bei sich gedacht, wie geduldig ist doch Gott mit seinen Menschen – im Grunde doch zuallererst mit mir!

Die Geschichte von Jona, ist eine Geschichte von Gottes unendlicher Liebe zu seinen Menschen, nicht nur zu seinem eigenen Volk Israel, sondern sogar auch zu dessen Feinden. Ninive war die Hauptstadt der Assyrer, eines geschichtlichen Erzfeindes Israels. Die Botschaft des Jonabuches, dass Gott diese Stadt durch Jona retten wollte, die muss ungeheuerlich gewesen sein für manche Kreise damals in der jüdischen Gemeinde.

Aber es strahlt da eine Weite des Denkens über Gott zu uns herüber, die auch uns heute weiterbringen kann, in unserem Denken über das Miteinander von Christen und Nichtchristen zum Beispiel. Wir Christen haben Gott nicht gepachtet. Er ist der Schöpfer und Herr aller Menschen, gleich welcher Hautfarbe oder Religion sie sind. Er ist der Herr von Juden, Christen und Muslimen, von Buddhisten und Hinduisten, und er ist der Schöpfer und Herr auch all der Menschen, die nicht an ihn glauben. Und ich bin überzeugt, dass er ein friedliches, tolerantes Miteinander von uns haben will. Gott will doch, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, zur Erkenntnis Gottes selbst. Die Geschichte von Jona bringt mich zu dieser Überzeugung. Da sind zuerst die Matrosen auf dem Schiff, mit dem Jona von Jafo nach Tarsis fährt. Die beten im Sturm ein jeder zu seinem Gott. Das setzt voraus, dass sie aus aller Herren Länder stammten und alle zu verschiedenen Göttern ihre Zuflucht nahmen. Und diese Menschen erfahren von Jona, dass sein Gott, derjenige ist, der den Himmel und die Erde und das tobende Meer geschaffen hat und dem ein einziger Mensch so wichtig ist, dass er seinetwegen einen gewaltigen Sturm schickt, um denselben zur Einsicht zu bewegen. Zu welcher Einsicht denn? Gott sagt dem Jona: Schau mal, die Menschen in Ninive werden zugrunde gehen, wenn keiner bereit ist, ihnen zu sagen, dass sie Fehler machen, die Unfrieden und Elend bringen. Einer muss seinen Mund auftun und das Unrecht beim Namen nennen. Jona hat zunächst gedacht, die Leute von Ninive könnten ihm egal sein, das sei nicht sein Problem und außerdem hatte er Angst, sie könnten ihn töten. Gott bringt Jona schonend bei, erstens, dass er ihn schützen könne und zweitens, dass ihm seinerseits das Ergehen der Menschen von Ninive ganz und gar nicht egal sei.

Viele Menschen heute meinen, Gott interessiere sich nicht für seine Menschheit. Es sei ihm piepegal, was mit unserem kleinen Leben und mit der großen Weltgeschichte werde. Ja, er schaue einfach weg und deshalb brauche man sich auch für Gott gar nicht mehr interessieren, weil er keine Wirklichkeit sei, die für uns Bedeutung habe. Das Jonabuch erzählt anders von Gott und bekennt ihn als den EINEN, der sich leidenschaftlich für jeden Menschen interessiert. Und zwar gleichgültig, welche Religion dieser Mensch hat oder woher er kommt. Die Matrosen aus aller Herren Länder glauben nach dem Sturm ALLE an den Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, genauso wie der Jona. Gott schafft den Glauben in ihnen durch sein widerstrebendes Werkzeug, den Jona. Noch in seiner Verweigerung dem Auftrag Gottes gegenüber, finden ganz fremde Menschen zum Glauben an den Gott Israels.

Genauso geht es mit den Leuten von Ninive. Die hatten wahrhaftig mit dem Gott Israels nichts am Hut. Die gingen ohne Frömmigkeit durchs Leben. Denen fehlte nach ihrer Meinung nichts, bis Jona kam, der gar nicht predigen wollte und ihnen sagte: Ihr Leute, Gott findet euer Leben so schlimm, dass er nicht länger zuschauen will. 40 Tage habt ihr noch Zeit, um etwas zu ändern. Das wundersame ist, die Leute von Ninive hörten Jona zu und gaben ihm Recht. Sie ließen sich auf Gott ansprechen, den Gott, der jeden Menschen geschaffen hat, weswegen auch jeder Mensch eine Antenne für Gott hat. Tief in uns drinnen gibt es so etwas wie eine Hauskapelle. Da will Gott bei uns einziehen, wenn wir ihn reinlassen.

Genau das taten die Leute von Ninive. Der Jona hätte ihnen das wahrscheinlich gar nicht zugetraut. Aber Gott schon. Und Gott brauchte den Jona, der mit seinen Füßen dort hinlief und mit seiner Stimme Gottes Botschaft sprach.

Gott will sie nicht verloren gehen lassen, die Leute von Ninive, die taten, was ihnen gefiel und nicht nach Gott fragten. Gott dreht es den Magen um bei dem Gedanken, sein Gericht über sie vollziehen zu müssen. Und sein Rettungsakt gelingt. Menschen, die nichts von ihm wussten und hielten, hören sein Wort, kehren um und fangen an zu glauben.

So ein Jona ist Gold wert für Gott. Manchmal denke ich, wir, von der Kirche, bleiben schön unter uns und trauen uns auch nicht so recht nach Ninive, mitten unter die Menschen, die von Gott nichts wissen oder halten. Das Pflaster ist uns auch zu heiß. Unter uns, da ist es kuschliger. Aber möglicherweise ruft uns Gott nach Ninive und wir sind schon unterwegs nach Tarsis.

Den Jona hat Gott unermüdlich an seine Aufgabe gerufen. Offensichtlich wollte Gott unbedingt den Jona für die Predigt in Ninive. Und Jona hat es Gott nicht leicht gemacht. Eigentlich wundere ich mich, dass Gott dieses Geduldsspiel mitmacht. Zuerst muss er Jona auf seiner Fahrt nach Tarsis ausbremsen. Und dann, als Jona in seinem Rettungsfisch reif wird für seine Lebensaufgabe und endlich an Land gespuckt werden kann, da geht er zwar predigen, aber er trotzt wie ein dreijähriges Kind, als Gott Ninive dann gnädig ist und es nicht zerstört. Und er benimmt sich wie ein Kleinkind als Gott die Staude vertrocknen lässt. Ein Grund, das Leben wegzuwerfen ist das beides Mal für Jona. Und Gott macht das mit. Er legt Jona nicht übers Knie oder fängt an zu brüllen, wie wir menschlichen Eltern es dann manchmal tun, weil es so gar nicht zum Aushalten ist. Gott bleibt ganz geduldig und versucht, den Jona für sich zu gewinnen. Gott ist auch mit Jona barmherzig und gütig und geduldig über jedes Maß hinaus. Jona ist Gott unendlich wichtig.

Diese Geschichte ist eine Geschichte von der Güte und Barmherzigkeit Gottes mit jedem Menschen. Es ist eine Geschichte,die davon erzählt, wie Gott das Leben jedes einzelnen Menschen leitet und begleitet. Und seht ihr, wie der alte Spruch hier vortrefflich anschaulich gemacht wird? Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr lenkt seinen Schritt. Wäre es nach Jona gegangen, der wäre bei seinen Schafen sitzen geblieben, sein Leben lang. Aber dann hätte er nie erfahren, was für ein gewaltiger Prediger er eigentlich war und wie viel Geduld Gott mit ihm hat. Jona wusste längst nicht alles über Gott und seine Lebensauffassung konnte noch manche Korrekturen vertragen. Man kann das Leben nicht verweigern, ohne Schaden dabei zu nehmen. Besser einmal in der Tiefe gelandet, als niemals auf Höhenflug gewesen zu sein. Besser einmal alles gewagt zu haben, als niemals etwas bewegt zu haben. Jona lässt sich ins Meer werfen, er springt nicht selber. Aber das war schon mal der Beginn von etwas ganz Neuem. Er verbringt drei Tage und drei Nächte im Bauch des großen Fisches. Danach ist er wie neu geboren aus dem Leib des Fisches, bereit zu tun, was er soll.

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg. Die Matrosen hatten sich ihre Fahrt auch ganz anders vorgestellt. Geschäfte machen sind sie losgefahren. Als Glaubende kommen sie heim. Sie haben kein Geld gemacht, denn die Ladung ist über Bord gegangen. Aber sie haben doch etwas gewonnen, den Glauben an den Gott, der Himmel und Erde gemacht hat! Und die Menschen von Ninive, die wurden einfach nur beschenkt von Gott. Die hatten von Gott nie etwas erwartet, aber er lenkt sie direkt zu ihm hin durch den Jona.

Wenn ich so darüber nachdenke, wie ist das denn mit uns? Wo setzt Gott uns ein und unser Leben und unsere Arbeit, damit er mit uns und auch mit denen, die mit uns leben zu seinem Ziel kommt? Wie oft lässt er uns etwas tun, was andere weiterbringt, ohne dass wir es ahnen? Wie oft lässt er andere etwas tun, was uns weiterbringt? Das wäre sicher spannend, wenn wir Gott dabei zuschauen könnten. Aber viel besser ist es, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass er unseren Weg leitet und lenkt, ohne dass wir das immer sehen und merken, aber doch so, dass wir da ankommen, wo er uns haben will. Der Jona musste dabei durch die Tiefe, durch die Angst. Das Wasser schlug über ihm zusammen. Ja,- auch das mag zu Gottes Wegen mit uns gehören. Wenn wir nur glauben dürfen, dass Gott uns nicht aus seinem Blick und aus seiner Hut verliert. Und das tut er sicher nicht, das bezeugt uns die Geschichte von Jona. Gott kümmert sich um jeden einzelnen von uns. Und wenn es auch in unserem Leben nicht immer so läuft, wie wir das gerne gehabt hätten, dann dürfen wir wissen. Es ist EINER, der lenkt unseren Schritt zum Guten für uns und für andere.

AMEN

Gelesen 3659 mal Letzte Änderung am Sonntag, 26 August 2012 14:55
  Heidrun Moser

Heidrun Moser ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Albbruck-Görwihl.

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